Die Kinder meiner Lügen:
Fantasie, strategisches Denken, ein gutes Gedächtnis, Konzentration, Schnelligkeit, Improvisationstalent. »Was wolltest du als Kind werden?«
»Flugkapitän in meiner Concorde und Pianist. Immer wenn die Flughöhe erreicht war, habe ich dann das Kommando meinen Copiloten übergeben und bin in den Passagierbereich gegangen, um den Leuten etwas vorzuspielen. Am Boden angekommen, kümmerte ich mich gewissenhaft und mit viel Liebe um meine Holding. Die Tochtergesellschaften dieser Holding besaßen jeder für sich einen höheren Jahresumsatz als das BIP von Belgien.
Jeder meiner Mischkonzerne pflegte eine eigene Kultur. Gepflogenheiten und Sprache waren eigens für die Firma von mir erarbeitet und mussten permanent praktiziert werden. Jeder Konzern bildete unterhalb der Hauptmarke etliche Untermarken, um sich in jeder Sparte zu positionieren. Mit dem fortschreitenden Erfolg meiner Konzerne wurde dem klassischen Staatenmodell Konkurrenz gemacht. All das, was früher die Nationalitäten und Kulturen waren, hatte ich nun in meiner Holding untergebracht. Ich vertrieb mir die Zeit mit Fusionen, Startups, feindlichen Übernahmen und Kriegen.« Unsere Technologie ist primitiv. Jede Art von Fertigung beruht auf Raubbau, entnimmt Dinge der Natur. Ein Berg wird Schotter, flüssiges Eisen, Stahl und am Ende ein Auto. Schneiden, Rühren, Erhitzen, Sprühen, Ätzen, Zerkleinern.... Ein endlicher, begrenzter Prozess.
Die Natur ist nicht so roh. Ein Baum nutzt die Sonnenenergie, um eigene molekulare Maschinen anzutreiben, die wiederum natürliche Maschinen antreiben. Es entstehen Blätter, Zweige, Wurzeln etc. ohne Lärm, Hitze, giftige Abluft oder menschliche Arbeit, nebenher wird die Luft noch von Schadstoffen gereinigt. Ein Blatt ist höher entwickelt als ein Raumschiff.
Daher Nanotechnologie: Molekulare Produktion von unten nach oben, mit molekularen Robotern, die sich selbstständig vermehren können. Die Natur zum Vorbild, umweltbewusst, kostengünstig, absolut sauber und menschenfreundlich. Wir können den ganzen Metallschrott getrost vergessen, ohne auf modernste Lebensgestaltung zu verzichten.
Technik und Natur werden eins werden, man könnte jetzt schon Frieden schließen und fusionieren. Seine Couch ist ziemlich alt. Er beschließt gleich darauf, eine neue zu produzieren. Nachdem er sich im Netz angemeldet hat, fordert er per Kontoeinzug bei IKEA die Applikation für eine neue Couch (Modell »Sultan«) an. Kurz darauf wird seine recht spärliche Nanokultur (er hätte gerne so große und vor allem saubere Kulturen wie seine reichen chinesischen Nachbarn) von der Software zur Arbeit gerufen. Wären seine Naniten nicht von so mieser Qualität, könnte er sich jetzt schon darauf ausruhen, aber er wird laut Farbstadium noch 22 Minuten warten müssen. Als der Auftrag beendet ist, packt ihn die kalte Wut – herausgewachsen aus dem oberen Teil der Rückenlehne schielt ihm ein grinsender, hasenartiger Kopf ins Gesicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ist seine Kultur einfach zu oft benutzt worden, oder ein Scherzkeks hat das Netz mit einer neuen Virenart beglückt. Wir müssen uns auf andere Weise für die unbeweisbaren Vorgänge unseres Denkens interessieren als wir es im Moment versuchen, man denke nur an die unangreifbare Kunst, die unter dem Schutzmantel der Individualphilosophie oder des Spaßes gesellschaftsirrelevante Kreationen zum Kauf anbieten kann. Kreativität, Inspiration, Fantasie stehen neben nachvollziehbaren Logikgerüsten, müssen aber gerade deswegen als Ergänzung mehr mit den Wissenschaften harmonieren. Eine unterhaltende Kreativität in Rohform und zum Selbstzweck ist nicht so wertvoll wie die anonyme Nutzung dieser menschlichen Gabe als Initialzündung für Forschung und Weiterentwicklung. Kunst als zwingendes Primärwerkzeug von intellektuellen Entwicklungsprozessen. Das Denken ist ein Musterbeispiel für Funktionalität – ein Einklang von kreativem und logischem Fluss ohne Trennlinien und behindernden Barrieren.
Das führt zu Hochschulen, in denen es Fachkräfte gibt, die nur für die Schaffung von Symbiosen zuständig sind; wo an oberster Stelle die interdisziplinäre Forschung steht und es keine Maxime der Kompetenztrennung gibt – Informatik, Linguistik, Philosophie, Geschichte, Mathematik, Physik, Astronomie, Biologie, Chemie, Soziologie, Psychologie, Ökonomie, Maschinenbau, Architektur, Design, Kunst etc. friedlich zu einem Klumpen vereint, ergeben die Basis eines neuen Fortschritts, der Einzeldisziplinen völlig neuartig mischt.
In allen Bereichen wird gedacht. Ein edukativer Neuanfang ohne Vorbehalte und Grabenkämpfe ist in zunehmend informationsüberladenen und chaotischen Zeiten notwendig, um den parallelen Umgang mit den Dingen unserer Welt zu erlernen. Nicht ständig gegen die Informationszunahme ankämpfen, sondern mit ihr mitschwimmen. Immerzu Einfachheit, Zeitlosigkeit und Ordnung zu wollen ist Zeitverschwendung. Gegen Reduktionismus und überholte Trennungen muss der Kopf erzogen werden, sonst herrscht eine wachsende Diskrepanz zwischen der Außenrealität und dem Wunsch, wie die Dinge sein sollten. Vielleicht ist es Unwissen, jedenfalls befindet sich in meinem Wortschatz kein Wort für „alle Sinne betreffend“. Weil ich es nicht besser weiß, benutze ich das eigens erdachte Wort »omnisensuell«.
Moderne Lexika veranschaulichen die Begriffe omnisensuell. Das Buch als Medium ist, sofern es sich um ein Nachschlagewerk handelt, einer optisch gleichgebliebenen Maschine gewichen, die neben Worten mit Gerüchen, Geschmacksrichtungen, Tönen, Visualisierungen und Oberflächen aufwartet.
Wer in Geldnot ist, sucht öffentliche Sinnesspeisungen in der Bibliothek auf, doch komfortabler ist natürlich das heimische Konsumieren. Ich untertreibe, wenn ich nur Lexika nenne, denn z.B. trendbewusste Literatur (der Name »Literatur« hat sich trotz der Grunderneuerung noch nicht geändert) oder die Unterhaltungselektronik brüsten sich ebenfalls mit Omnisensualität. Bleiben wir beim Lexikon: Ich benutze meines nicht nur um Wissen aufzufrischen, ich schwelge zudem abends gerne auf dem Rücken liegend in Erinnerungen und Sinnesmahlzeiten. Manch einer mag behaupten, mein Verhalten gleiche einer Sucht, aber das soll hier nicht geklärt werden. Meine Lieblingsstelle ist auf meinem Account gespeichert: »Meer (Weltmeer, Ozean)«. Doch heute möchte ich mal versuchen, ohne das Lexikon auszukommen, meine Fantasie scheint mir allzu verkümmert. Ich versuche es mit mir selbst.
Ich erinnere mich gerne an das Meer. Trotzdem sehe ich es beim Erinnern niemals, denn sonst würde ich mich durch solch eine Halluzination verständlicherweise sehr erschrecken. Es scheint mir vielmehr eine schwache, reduzierte Kopie des visuellen Eindrucks zu sein, wie aber das zustande kommt ist mir schleierhaft. Den kühlen Schock, wenn das Wasser zum ersten Mal meine Füße berührt, kann ich abgeschwächt fühlen. Ich entdecke jedoch nach mehrmaligem Abrufen dieses Eindruckes, wie ich jedes Mal unterbewusst dem Kopf befehle, gefälligst in den Füßen dieses Gefühl zu simulieren. Genauso verhält es sich beim Gedanken an den Duft, das angenehme Rauschen und den unangenehmen Geschmack, wenn ich Wasser verschluckt habe. Normalerweise würde ich auf diese Simulation reinfallen, heute aber zwingen mich meine Stimmung und die langjährige Verwöhnung durch das Lexikon zum wachsamen Vergleich zwischen Sinneseindruck und Erinnerung.
In Wahrheit ist am Fuß, in der Nase, im Ohr, auf der Zunge und auf der Netzhaut also gar nichts, das ist mir klar geworden. Wie jedoch diese billige Raubkopie des einst realen Sinneseindruckes in einem neuronalen System erhalten bleiben kann, ist mir ein Rätsel. Mein Erinnern ist ein ___er Prozess – was für ein Prozess? Zumindest ist er absolut unabhängig von der Rezeption der Sinnesorgane und findet nur in meinem Gehirn statt.
Es ist als ob man an Nullen und Einsen denkt und es dann unglaublich findet, dass mithilfe von Interpretationssystemen Webseiten und Software an die Oberfläche gelangen können. Das Gehirn ist kein Open-Source Produkt. Natürlich ist dieses Beispiel ein lächerlicher Vergleich und eine Verhöhnung des Geistes, er fiel mir aber nicht ohne Grund ein. Ein menschlicher Zwang – mithilfe des jeweiligen technologischen Standes, Systeme zur Lebenserleichterung zu schaffen, die als Nebeneffekt zum Abbild dessen dienen, was man gerade als Gehirn bezeichnet. Einem Uhrwerk folgte das Internet. Was könnte besser funktionieren als das Denken, denken sich wahrscheinlich die Erschaffer fortschrittlicher Systeme und formen Gehirnhommagen, gemäß ihrem gegenwärtigen Horizont.
Ich glaubte vor dieser Denksitzung zumindest zu wissen, dass meine Erinnerungen nicht der Sprache bedürfen. Dieses verunsichernde, extrem manuelle Reflektieren, was nur durch dieses scheußlich ungewohnte Erinnern hervorgerufen wurde, machte mir nun wirklich keinen Spaß. Ich habe beschlossen, in Zukunft wieder das Lexikon zu benutzen und unnötige Alleingänge bzw. Entzugserscheinungen zu vermeiden. Der Wolf-Klan liegt in Führung. Die Klanmitglieder haben es geschafft, Kaninchen dazu zu bringen, sich den Wölfen aufzudrängen, ohne selbst davon Nutzen zu ziehen. Die Wölfe aber wurden ebenfalls gezügelt, sie töten nicht sofort ihre neuen Anhängsel, sie halten und züchten sie für härtere Zeiten. So müssen sie nie Hunger erleiden und können ihre äußerst straffe Rangordnung in Zeiten des Wohlstandes entspannen. Sogar die Tendenz zur Fettleibigkeit ist bereits bei manchen Wölfen zu beobachten. Dies alles bedeutet einen deutlichen Vorsprung des Wolf-Klans vor dem Schwein-Klan nach Punkten. Dieser hatte es neueren Gerüchten zufolge fertiggebracht, Hausschweine zur Jagd auf Rebhühner zu überzeugen, was sich aber als Bluff herausstellte.
Wenn ich von Klans rede, meine ich Menschen, die um die evolutive Weiterentwicklung einer bestimmten Tierart bemüht sind. Dieses künstliche Nachhelfen, diese Beschleunigung oder oft auch Umgestaltung natürlicher Evolution, ist Inhalt eines neuartigen Spiels, das mit »Fremdevolution« übersetzt werden könnte. Irgendwelche unausgelasteten Zeitgenossen dachten sich, wenn der stärkste Trieb einer Art die Erhaltung derselben ist, warum sollte man dann nicht auch anderen Arten zum Spaß nachhelfen beziehungsweise einen eigenen Weg ersinnen. Schließlich ist das Gehirn des Menschen nicht ausgelastet, es wäre also nur rechtschaffen im Namen der Natur, die überschüssige Energie anderen Lebewesen zur Verfügung zu stellen.
Tauchende Storche, Straßen meidende Frösche, Esel, die nicht nur tragen, sondern auch das Haus verteidigen – alles an ihrer Megalomanie gescheiterte Projekte. Ernstzunehmende Fortschritte haben nur wenige Klans erreicht. Denn es ist aufgrund des strengen Reglements extrem schwierig, auch nur einen Punkt zu erreichen. Erlernte Gewohnheiten der Tiere sorgen nur dann für Punkte, wenn sie auch vorher angekündigt und von den Tieren selbstständig an ihre Nachkommen weitergegeben werden. Des Weiteren machen Skeptiker, die diese Spiele als tierquälerische Zucht herunterspielen, dem Sport das Leben schwer. Grenzen der Logik. Kurt Gödel: »Ich bin nicht beweisbar« – stimmt das, kann man es nicht beweisen, stimmt es nicht, kann man es beweisen, man hat aber etwas bewiesen, was nicht stimmt. Es gibt Wahrheiten, die sich nicht beweisen lassen, sich der Beweisführung entziehen. Das ist keine simple Ohnmachtserklärung an die Wissenschaft, sondern nur eine Huldigung an die menschliche Kreativität – der Beweis, dass nicht alles bewiesen werden kann. Um die gesamte Welt erklären zu können, bräuchte man die Welt selbst. Ein System und dessen Zusammenhang lassen sich nicht vollständig von innen heraus begründen.
Wir werden niemals vollständig unser Denken erklären können, da uns zur Messung nur das Denken selbst zur Verfügung steht – ein Schraubenzieher lässt sich nicht ausschließlich mithilfe eines Schraubenziehers herstellen. Künstliche Intelligenz, die vom Menschen geschaffen ist, wird niemals unserer Intelligenz das Wasser reichen können. Externe Speicherungsmöglichkeiten für unsere Erinnerungen wird es nie geben, Digital-Zerebral Verbindungen? Nein. Mit Nanotech lassen sich Werkstoffe optimieren, da sie sauber bis ins einzelne Molekül stimmig hergestellt werden können. Ein zehn mal so stabiler Stahl, der um ein Vielfaches leichter ist, beschichtete Hanfblätter, die sich ideal zum Häuserbau eignen, extrem leistungsfähige Solarzellen, billig wie Zeitungen und doch so strapazierfähig, um die Straßen damit zu pflastern. Das unendliche Betonieren der Umwelt ist jedoch altmodisch und selbst Solarzellen unter den Füßen sind fraglich. Dieser Versuch, den Beton vorsichtig zu reformieren, ließe sich auch radikalisieren. Es müsste gelingen, die Photosynthese der Pflanzen anzuzapfen, für die eigene Energiegewinnung zu vergewaltigen. Jedes Eigenheim wird sich seine eigenen Kraftwerke pflanzen. Der menschliche Größenwahn kann in riesige Wälder kanalisiert werden – den ganzen Tag über ist die Garage klimatisiert. Ein grünes Meer ohne Beton gewinnt wieder Oberhand, dem Menschen zum Sklaven und dennoch schön. Der Flughafen ist ein öffentlicher Raum, der durch künstlich generierte Sphärenmusik einen eigenen Charakter erhält. Diese Ambientklänge sind nicht lokalisierbar und untermalen auf der gesamten Fläche die Hektik, Internationalität, Verfrachtung, Reiselaune, das Warten und den Businesscharakter eines Flughafens.
Der Soundingenieur arbeitet eng mit dem Architekturbüro, den Gestaltern des Erscheinungsbildes/Leitsystems und den Sponsoren/Eigentümern zusammen, um ein möglichst imagekompatibles Soundbranding auf die Beine zu stellen. Diese Art von Branding erwies sich überraschenderweise als umsatzfördernd. Eine Beschwerdewelle blieb aus. Im Gegenteil konnte sich der Flughafen dadurch von einem Ort der Unwirtlichkeit und des Unbehagens zu einem kulturellen Treffpunkt mausern, der vor allem Einheimische ohne Reisewunsch anlockt. Wie auch in anderen Einrichtungen ist beim Soundengineering auf ortsspezifische Eigenheiten eingegangen worden, das Klangarrangement ist live durch Ereignisse bedingt (am Ende des Textes aufgeführt) und jederzeit aktualisierbar. Die Menschen haben sich an solchen zusätzlichen Konsum gewöhnt und ziehen klangliche Architektur einer traditionell gestalteten Einrichtung vor.
An den Stellen des Flughafens, an denen der Blick aus dem Fenster auf das Rollfeld führt, sind ca. alle 30 Sekunden in einem willkürlichen Wechsel Geräusch A und B zu hören. A schwillt, unmittelbar nachdem man es vernommen hat, innerhalb von etwa 10 Sekunden zu einem deutlichen Klang an, der kurz darauf schlagartig verpufft. Geräusch B ist zwar in seinem Klang völlig andersartig, verhält sich klimaktisch allerdings genau entgegengesetzt zu A. Es setzt plötzlich ein, um dann langsam abzunehmen. Diese zwei Geräusche haben eine angenehme Wirkung, niemand fühlt sich laut Flughafenverwaltung belästigt.
C und D sind die einzigen Klänge, bei denen man, falls schreckhaft, geneigt sein könnte, aufzuhorchen. Sie treten eher selten auf, sind laut Umfragen am unbeliebtesten, dauern dafür aber auch nur etwa eine Sekunde an. Dieses Paar vermittelt als einziges einen Hinweis – und diesen nach internationalen Konventionen, daher die stark signalhafte Intensität.
Im gleichen Rhythmus wie A und B ist E zu hören, wobei E jedoch von ersteren dominiert wird. E stellt den kürzesten Klang dar, seine Tonlage ist variabel und einer Kirchenorgel ähnlich, nur weitaus leiser.
F ist ein dezenter permanenter Ton, der, je nachdem wo man sich befindet, seine Tonlage ändert. Um sich nicht negativ ins Bewusstsein zu drängen, ist F sehr leise und von schwerhörigen Menschen faktisch nicht auszumachen.
G liegt ebenfalls permanent im Raum, verändert jedoch nur unkenntlich seine Tonlage – G ist wetterabhängig. H ähnelt in seiner Dauer einem Schiffshorn, drängt sich jedoch nicht so auf, sondern harmoniert sehr gut mit seinen Nachbarn.
Interaktive Soundkopplung an ortstypische Besonderheiten:
Die Speicherung aller Daten erfolgt nur noch auf dezentralen Servernetzwerken. Dezentral deswegen, um Stabilität zu gewährleisten und Monopolmissbrauch zu verhindern. Der transparente Bürger, ein Schreckensgespenst von damals, ist dabei durch unknackbare 128Bit-Verschlüsselung verhindert worden.
Ein Mensch trägt in seiner Kleidung Multi-Prozessoren. Er ist an jedem Ort der Welt wireless online. Benötigte Software lagert ausschließlich auf Servern und funktioniert deshalb bei jedem Benutzer und Zugriff gleich stabil. Die Kleidung ist billig, mit unauffällig kleinen Solarzellen bestückt und leistungsstark, da keine primitive Siliziumtechnik, sondern platzsparende Nanoarchitektur in ihr arbeitet, die sich auf Wunsch wie die alten Prozessoren simulativ erhitzen lässt (Winter). Mit genormten und überall identisch verfügbaren Eingabegeräten öffnet, kopiert, löscht und verwaltet er seine Dateien (mithilfe der servereigenen Programme). Er malt große Bilder, schreibt mittelmäßige Romane, stellt allerlei technische Überlegungen an, rechnet, kommuniziert, betätigt sich freizeitlich – in jedem Moment hat er die vollen Administratorenrechte und kann entscheiden, wer Zugriff auf seine Daten haben soll. Hierbei liegt er unter Bäumen und redet mit Freunden.
Die uns bekannte Festplatte (er kennt das Wort nicht) ist durch die Netzwerke unnötig geworden, die platzraubende Rechnungseinheit unseres Computers wurde von seiner Kleidung abgelöst, die Unterscheidung offline und online versteht er nicht. Über solche Dinge muss er sich nicht den Kopf zermartern, er weiß nur, dass der Mensch schon immer, wenn auch in lächerlicher Weise, das System des Gehirns zu kopieren versuchte, anfangs waren es hölzerne, dann metallene Apparate, nun sind es digitale Netze. Wenigstens hat er jetzt vom Gehirn gelernt, dass parallele, vernetzte Einheiten viel effizienter arbeiten als ein hierarchisches serielles System. Ich habe Glück gehabt – ich kann den Duft von Maiglöckchen riechen. Mein Riechrezeptor, der für diesen Duft zuständig ist (Maiglöckchenrezeptor hOR17-4), wurde also nicht (aufgrund eines Gendefektes) ausgespart. Ich kann davon ausgehen, dass sich noch unzählige Rezeptoren seines Typs auf meinen Spermien tummeln. Dort werden sie dringend benötigt, um zur weiblichen Eizelle zu finden. Könnte ich keinen Maiglöckchenduft registrieren, wäre ich impotent.
Tausend verschiedene Rezeptoren sind für die Differenzierung von etwa zehntausend Gerüchen zuständig. Gentechnisch ließe sich ein „Blockierer“ für einen bestimmten Duft entwickeln. Vorher müsste man alle gleichzeitigen Aktivierungen von mehreren Riechrezeptorentypen kennen, die letztendlich zu jedem einzelnen der ca. zehntausend Geruchserlebnisse führt (unter der Berücksichtigung aller Mischungsszenarien/Aufhebungen).
Mit diesem Wissen können unangenehme Gerüche, die im Rahmen von Produktionsprozessen vorkommen, oder auf natürliche Art entstehen, ausgeschaltet werden, ohne dass der gesamte Geruchssinn ausgeblendet wird, wie es beim Zuhalten der Nase der Fall ist. Zunehmender Müllgestank, Erdöl/-gasgerüche, Stinktiere, Kot etc. würden aus unserer Wahrnehmung verschwinden. Andererseits wäre aber bei gentechnischem Pfusch oder aufgrund falscher Kennnisse die Kreation von noch nicht dagewesenen Geruchserlebnissen möglich:
Die Rezeptoren ABCD erzeugen im Gehirn bei gleichzeitiger Aktivierung den Geruch 1. Wird z.B. der Rezeptor C gentechnisch ausgeschaltet, entstünde AB D – ein anderer, mit großer Wahrscheinlichkeit neuartiger Geruch 2.
Mit einem Alphabet, das aus tausend verschiedenen Buchstaben besteht, zehntausend Wörter zu verstehen ist nicht leicht. Die Entdeckung des einzelnen Rezeptors hOR17-4, der sozusagen mithilfe eines einzigen Buchstabens ein Wort bildet – den Geruch von Maiglöckchen – ist eine glückliche Ausnahme. Erst bei Kombinationen wird es kompliziert. Solange noch nicht jedem Geruch die korrekte Rezeptorenkombination zugeordnet wurde, sollte jeder kinderlose Mann prüfen, ob er Maiglöckchen riechen kann. Ist die Konstruktion einer Ecke hilfreich oder eine Verschwendung von Arbeitskraft? Was erreicht ein rechter Winkel? Ist eine gerade Linie zu einfach? Stillstand, Starre, Synthetik? Wenn diese Dinge zur exakten Einteilung, Abgrenzung und Konstruktion nützen, warum verwendet dann nicht die Natur (außer durch unsere Köpfe hindurch) das Geodreieck? Dunkle U-Bahnschächte, Tiefgaragen, Tunnels, Häuserschluchten, erträumte Unterwasserwelten – das alles ist in den Köpfen heutiger Städteplaner.
Was macht eine Katze? Sogar sie sucht so lange wie möglich nach Sonnenstrahlen im instinktiven Wissen, dass ihr Stoffwechsel davon profitiert. Im Großhirn des Menschen scheint kein Gesundheitsbewusstsein vorhanden zu sein.
Jedes Haus benötigt einen hoch in den Himmel ragenden Ausguckturm, der einem ermöglicht, seinen Lebensraum aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Baumhäuser müssen ihr Image polieren, sie sind nicht für spielende Kinder gedacht, sondern eine ungenutzte Alternative für jeden Stadtneurotiker. Liebliche Träume von Unterwasserstädten müssen ausgeträumt werden, wenn wir Antidepressiva in der Grundnahrung als unvorteilhaft erachten.
Das unterirdische Schienennetz muss schnell wieder an die Oberfläche befördert werden. Schließlich kann man aus unseren funktionierenden Augen schließen, dass wir keine Maulwürfe sind. Sie bieten hier für ein unzerstörbares Metermaß – ein ideales Allroundwerkzeug:
· Zu allererst ist es ein hervorragendes Lernspielzeug, mit dem verschiedenste Figuren erzeugbar sind. Neben diversen Intelligenztrainings oder sonstigen pädagogischen Übungen lassen sich in vereinfachter Form sogar alle Buchstaben erzeugen. Man kann ein typografisches Gefühl entwickeln.
· Aufgrund seiner Zehnteiligkeit ist es zur Schaffung einer simplen Zeichensprache tauglich. Die Einzelmodule lassen sich, wenn man sich auf 45°Grad-Schritte einigt, zu etwas weniger als 8¹º verschiedenen Gesamtfiguren formen.
· Die vielen Gelenke laden bei Eile dazu ein, das Meter nicht exakt gerade auszubreiten. Es entsteht etwas Wertvolles, ohne dass man es ahnt. Kneift man die Augen halb zu, entsteht ein biomorphes Gebilde, mit dem man per Stift zu langen Strichen ansetzen kann, die bewusst nur fast gerade sind.
· Durch die Einrastmöglichkeit einzelner Streben im 90°Grad-Winkel lässt sich ein „Um-die-Ecke-Effekt“ für verschiedenste Dinge nutzen. Beispielsweise kann man bequem unbemerkte Berührungen an Personen vornehmen, oder sich noch passiver, mithilfe einer Minikamera aufs Schauen spezialisieren.
· Bei starker Sonneneinstrahlung normalisiert das Metermaß erfolgreich den Helligkeitseindruck. Hierzu ist ein Brillengestell mit Bügeln notwendig, an dem man das zusammengeklappte Metermaß arretieren kann. Das Maß überdeckt nun genau beide Augen. Zieht man nun die untere Strebe an dessen Zentrum nach unten und die obere Strebe genauso nach oben, entsteht eine Wölbung aller Streben, die zur Mitte hin abnimmt. Betrachtet man das sonnige Geschehen durch diese Lamellen, kann man durch den Wölbungsgrad die gewünschte Helligkeit einstellen (die gebogenen Streben lassen sich am Brillengestell durch Haken in ihrer Biegung erhalten). Eine solche Methode, sich vor Blendung und UV-Strahlung zu schützen, beruht auf den Schlitzbrillen der Eskimos.
Freizeittip:
· Legt man ein Ende des Metermaßes von unten an einen Kronkorken an und umgreift sowohl Bierflaschenhals als auch das Metermaß, so kann man bequem die Flasche öffnen. Hierzu hält man das Maß und die Flasche in Hüfthöhe neben sich und führt mit dem Bein derselben Seite einen ruckartigen Pferdetritt aus. Dabei muss die Ferse von unten auf das senkrechte Metermaß treffen. Der gewonnene Druck befördert den Korken angenehm knallend in die Luft.
Kurz gesagt, durch das permanente Mitführen eines Meters bezieht man auf unkonventionelle Art Stellung. Es werden maskuline Stärke und Technokratie stilisiert, ein origineller Look im „Techniker“-Stil.
Man kann hier ein solches Metermaß, zu Ehren Slominskis, in ausgeklappter Form bestellen. Die Wände sind zum Großteil statisch. Aber die Menschen plädieren für wasserne Eigenheime, das Hausen in einem lebendigen Pottwal, die Projektion eines Bienenstockes, die Spiegelung der Umgebung in zwölfstündiger Zeitversetzung, riesige Geschlechtsorgane, unendliche Sternenkriege, die wehende Nationalflagge, eine sich mannhaft ballende Faust, monochrome, zeitabhängige Färbung, oder nur die aktuellen Nachrichten.
Jede kahle Wand ist mithilfe unserer Displayfolien zu einer lebenden Oberfläche zu verwandeln. Das Eigentum kann zur persönlichen Informationsbühne werden. Tafeln, Schilder, gedruckte Reklame sind zu entfernen.
Mit besonders viel Finanzstärke gönnt man sich gleich die Technik der dreidimensionalen Projektion. Hier wohnt man inmitten des Displays. Du beschließt, den Finger zu krümmen, an deiner Hirnaktivität aber war schon eine halbe Sekunde vorher zu erkennen, dass du mit den Vorbereitungen beschäftigt warst. Eine halbe Sekunde ist wenig. Pro Sekunde werden rund 11 Millionen Wahrnehmungsbits auf zehn bis fünfzig Bewusstseinsbits reduziert und die Spuren der restlichen Daten getilgt, damit man sich konzentrieren kann. Du merkst deine Verspätung sowieso nicht, weil alles bequem zurückdatiert wird.
Wenn das Bewusstsein hinterherhinkt, heißt das dann, es gibt keinen freien Willen? Untersteht das Bewusste dem Unbewussten? Man kann den freien Willen mit einem Vetorecht retten. Das Bewusstein hat genügend Zeit, ein Veto einzulegen, ehe der Entschluss, bewusst etwas zu tun, in die Tat umgesetzt wird. Trotzdem geht der Impuls vom Unbewussten aus, worauf das Ich abwägen muss: Handlung oder Unterdrückung? Das Bewusstsein kann keine Handlung einleiten, es ist vom Unbewussten und von subliminaler Wahrnehmung abhängig. Meistens ist es unangenehm, wenn man vom Vetorecht Gebrauch macht. Man ist verlegen und nervös, stammelt, bewegt sich auf merkwürdig abrupte Weise, bricht seine Handlungen plötzlich ab, verwirrt und beleidigt andere mit seltsamen Ausfällen, macht unzweckmäßige Selbstunterbrechungen bei Kontaktversuchen, ist unsicher, verkrampft und langsam. Je mehr Bewusstsein, desto mehr der Blick von außen, eine Selbstbeurteilung mit den Augen anderer. Solange aber die unbewussten Tendenzen zur Tätigkeit in derselben Richtung arbeiten wie die bewussten Gedanken und Gefühle, solange werden sie nicht leicht bemerkt. Ein bewusstes Veto ist nur notwendig, wenn sich der bewusste Wille und die nichtbewusste Regung widersprechen. Das Ich sei der bewusste Kontrolleur, das Selbst alles übrige (unbewusster Bereich). Mein Ich ist nicht identisch mit meinem Selbst. Mein Selbst ist mehr als mein Ich.
Wenn das nichtbewusste Initiieren willentlicher Handlungen (halbe Sekunde Verzug) als Beweis für die Nichtexistenz des freien Willens verstanden wird, glaubt man nur an das Ich. Besteht man darauf, dass sich der Mensch vollständig durch das Ich begründet, kommt man zu einem unlösbaren Problem. Wenn alles bewusst beschlossen und getan wird, ignoriert man die viel zu geringe Bandbreite des Bewusstseins, die nicht alles kontrollieren kann, was man tut. Ich habe einen freien Willen, jedoch hat ihn nicht mein Ich, sondern mein Selbst. Das Ich hält Kurs und ist somit bei Handlungen gleichberechtigt. Wenn es schnell gehen muss, ist das Ich nicht an der Macht. Bei einem Sturz vom Fahrrad bleibt das Ich Zuschauer. Warum einen generellen Stil entwickeln, der außer in der erdachten Situation nicht funktioniert? Wasserreiche, felsige, sandige, waldige, flache, grasige Umgebungen setzen doch eine bestimmte Reaktion voraus. Die Architektur muss kontextuell auf die Ortsgegebenheit abgestimmt werden. Begradigte Flüsse, abgeholzte Bäume, planierte Flächen existieren aus dem selben Grund, wie es jede andere Form von Ignoranz gibt. Die Kommunikation mit der Vegetation findet nicht statt, intelligente Symbiosen kosten zu viel Anstrengung. Ein Fluss, der durchs Eigenheim fließt, ein Wald, der an das Wohnzimmer grenzt, ein Teich, der bis ans Bett reicht, erhöhen den Lebensstandard. Die Architektur der Natur muss in die Planung miteinbezogen werden, um wahre heimelige Gefühle, die durch das Zupflastern verloren sind, zurückzugewinnen. Heutzutage bevorzugt man Klänge. Mit den Ohren lernen Kleinkinder Worte und allmählich grammatikalische Konventionen. Später beim Lernen von Lesen und Schreiben werden diese Worte noch um ein weiteres systematisiert, man erfährt, wie einzelne Laute ein Wort aufbauen können. Dem gehörten »aAa« wird ein Schriftzeichen zugeordnet – das a. Als Neugeborener wurde man mit geheimnisvollen Lauten bombardiert, die von Menschen produziert wurden. Nun hat das Denken die Art einer Diskussion angenommen. Es toben sinnbeladene Klänge im Kopf. Bei starken Gedanken bewegen sich, wenn auch minimal, der Kiefer und die Zunge oder die Gedanken gipfeln in Selbstgesprächen.
Dass man gerade mit Geräuschen das Denken strukturierte, war evolutiv sinnvoll. Um flexibel und probemlos in einer universal funktionierenden Sprache kommunizieren zu können, muss man die Signale jederzeit selbst erzeugen können. Sonst könnte man ja ebenso olfaktorische, taktile, gustative, visuelle Sprachen auf die selbe Ebene wie unsere akustische Sprache befördern. Man kann nunmal nicht in verschiedenen Varianten Signalgerüche erzeugen, die anschließend, in der Luft klar unterscheidbar, dem Empfänger eine Botschaft überbringen. Da das nicht funktioniert, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Entweder man entwickelt Geräte, die wie ein menschliches Organ ständig dem Menschen zur Seite stehen und synthetisch Gerüche etc. erzeugen und aufnehmen (was aber kompliziert erscheint) oder
2. man benutzt Codes der anderen Sinne und übersetzt sie im letzten Schritt in eine akustische Sprache. Die Schrift ist hierbei ein gutes Beispiel der Synthese von visueller und akustischer Codierung. Diese zweite Methode der finalen Akustisierung aller Zeichensysteme, um die Informationen in Worte fassen zu können, wird also bereits angewendet. Jetzt ließe sich kontextuell auf synthetischer Basis der 1. Ansatz weiterverfolgen.
Man stelle sich die Optimierung des Denkens vor, bei dem alle Sinne bewusst gemacht werden. Olfaktorische, taktile, gustative Zeichengruppen können neue Sprachen hervorrufen. Strukturen in den heutigen Geruchs-, Tast- und Geschmacksdschungel zu bringen, würde das Denken fundamental erweitern. Dieser Dschungel birgt natürlich bereits Zeichen, doch die sind meist nicht bewusst vom Menschen eingesetzt und dem Zufall des Durcheinanders überlassen. Eine einfache Sprachbildung wäre möglich. Selbst die semiotisch strukturierte visuelle Welt ließe sich um plastische Sprachen erweitern. Was können Formen bezeichnen (außer sich selber), wo Flächen ungeeignet sind? Eine sprechende Architektur, Signalobjekte – das und noch viel mehr kann es geben, wenn auch kein Sinnesreiz dem akustischen das Wasser reichen kann. An alle: Bei zukünftigen Wortkreationen ab sofort bitte aufpassen.
Ziel: Eine organische, humoristische Sprache mit spielerischen Wortverknüpfungen, die sich der Metaphorik, Ikonizität, Poesie etc. bedienen, aber im Rahmen des schnell Verstehbaren bleiben. Leider muss man sich absurde, ironische oder stark chiffrierte Vernetzungen von Worten mit Rücksicht auf die Erlernbarkeit verkneifen.
Mehrwert: Erdsaft schmeckt leckerer als Wasser und meint doch dasselbe. Fortschritt aufgrund von Automatisierung: Wenn man sich die fortschreitende Beschleunigung der Reaktion zunutze machen will, muss man die bewusste Lernphase innerhalb von Problembewältigung A durchstehen, um sich hier bald unbewusst richtig verhalten zu können. Jetzt bleibt genug Energie zur Reflektierung von B, während man gleichzeitig A im Griff hat etc.. Eine bewusste und gleichzeitige Koordination vom Unbewusstem und Bewusstem ist nötig. Ist man bis hierher gekommen, muss selbst das Wissen über dieses Funktionsprinzip automatisiert werden. Das Verfassen des hier vorliegenden Textes ist nicht so hochentwickelt wie das Lesevermögen. mit dem du gerade liest. Man benutze spezielle Arbeitsmethoden des Gehirnes für Wahrnehmungsmanipulationen.
Beispiel: Ein auf der Innenseite mit farbigen Kalligraphien bemalter Pappzylinder wird mit mehreren senkrechten Schlitzen versehen, deren Abstände sich von oben nach unten verringern. Innen hängt auf halber Höhe eine Glühbirne. Das Ganze wird auf einen Plattenteller gesetzt und mit 78 Upm in Bewegung gesetzt. Wenn man den Kopf mit geschlossenen Augen von oben nach unten führt, gerät man an eine bestimmte Stelle der Trommel, an der die stroboskopischen Lichtblitze die Frequenz der Alpha-Hirnwellen perturbieren. Die fluktuierenden Elemente begünstigen das Entstehen autonomer »Filme«. Das Gehirn selbst wird zum Autor von zufällig erzeugten Farben und Formen. Visionen beginnen gewöhnlich mit dem meteorschnellen Durchzug nicht abreißender Serien abstrakter Elemente. Diesen schließt sich nach einiger Zeit das deutliche Erkennen von Gesichtern, Figuren und die augenscheinliche Abfolge farbenreicher Pseudo-Ereignisse an. Im Unendlichen kommt darin die gesamte visuelle Kunst vor. Aids, Krebs, Creutzfeld-Jacob, Hepatitis ABC, SARS etc. sind Erlebnisse. Die einstigen Geißeln der Menschheit haben ihre Macht abgegeben. Durch die Naturwissenschaften wurden sie alle besiegbar und daher aus der freien Wildbahn vertrieben. Ihr einziger verbleibender Sinn liegt in der Simulation. Alles ist heilbar, das ist fast ungesund. Einen Tag Aids im Endstadium zu erleben, das heißt bewusst zu leben. Rezeptpflichtige Krankheiten, die im Gehirn die Symptome simulieren, ohne die Organe anzugreifen, überschreiten ihren Zweck – es muss zurückgerudert werden. Überall auf den Straßen begegnet man Schwerstkranken, was macht das Unwohlbefinden in einer perfekten Welt bloß für einen Reiz aus? Irre Lebensdauer, Individualität, Zerstörung, Intensivität, Liebe, Akribie, Zufälligkeit, Poesie, Großzügigkeit, Unangemessenheit, Seltenheit - alles viel zu teuer. Jeder ist Mittelschicht. Wo früher einst 3,60 m hohe Decken, riesige, helle Zimmer mit lächerlichsten Umweltbilanzen waren, steht heute das funktionale Fertighaus und ein Auto mit Plastikarmatur. Abwärts. Das unterbelichtete Gespenst der Unwirtschaftlichkeit irrt heute sogar im Luxussektor umher. Verrückte Handarbeit und Qualität sind eigentlich unbeliebt. Holz – früher normal, heute Luxus. Ach – »1984 Carl Lewis 100m« oder »Wie ich die Stierhatz von Pamplona überlebte«? Was passt jetzt besser, ein herrliches Erfolgserlebnis oder einfach ordentlicher Thrill? Von der Entscheidung abgesehen, ist die Sache selbst eigentlich ganz simpel. Das bestellte Erlebnis wartet am gewünschten Ort, man muss nur eine Liegemöglichkeit haben. Hat man es sich bequem gemacht und das Einleitungspräparat eingenommen, übernimmt die Sendestation die Ausstrahlung. Man taucht in einen fremden Körper ein, kann den Gedanken der Wunschperson lauschen (meist überarbeitete Version), spürt in Echtzeit die Anspannungen der Muskeln, und am wichtigsten: man sieht aus der Ich-Perspektive heraus kristallklar eine konkrete Situation, die jemand durchlebt haben muss, aber im Moment ein zweites Mal zu passieren scheint. Ist diese plastische Erfahrung vorüber, erwacht man sanft aus dem Tagtraum. Ein zweiter Einblick ist unmöglich, es sei denn dieses Produkt ist abonniert. Dann könnte man nach 30 Minuten Regenerierung diese Reise wiederholen. Ich bin ein Mitglied des Peterson-Kollektivs. Ich scheine aus einem Albtraum aufgetaucht zu sein, fühle mich wie ein Schaf, das seine Herde verloren hat. Alleine brüten. Hoffentlich gibt es noch mein Kollektiv, auf Dauer sind das eindeutig zu viele Anfragen. Ich scheine in meinem Leib selber ein Kollektiv gegründet zu haben, irgendjemand, der auch diese Stimme zum Reden bringt, scheint dort der Anführer zu sein. Zutiefst beunruhigend, nicht zu wissen, was zu mir gehört. Mit eigenen Kräften gelingt es mir, meine Hand zu lenken. Warum sagt mir niemand, was hier los ist? Diese Nacktheit ist...
Protokoll der Verteilerkonsole:
»Teilstück nach 70 Sek. Downtime wieder integriert. Defektstatus unbekannt.«
Aus dem Bericht des zuständigen Verantwortlichen an das Wissenschaftsministerium: »Ich muss Ihnen zu meinem Bedauern mitteilen, dass unser Projekt noch keineswegs das experimentelle Stadium verlassen hat. Zwar gelingt es über mehrere Tage hinweg, mehrere Teilstücke zu einer Einheit zu komplettieren, die Gehirnleistung wird ebenfalls wie vorgesehen gebündelt, gewisse Einzelpersonen spielen uns jedoch immer noch Streiche. Diese unvorhersehbaren Downtimes verhindern eine serienreife Stabilität.
Ich kann nur betonen, dass unserem Vorhaben eine jahrelange Vorbereitung zugrunde liegt. Obwohl Ihnen sämtliche Protokolle bezüglich unseres Voranschreitens vorliegen, wiederhole ich noch ein Mal in verkürzter Weise den Verlauf:
Die Probanden mussten sich zur langfristigen Gewöhnung anfangs einer Zirkulation des Wohnsitzes unterziehen, um ein restliches Heimgefühl im Sinne der Entpersonalisierung abzutöten. Darüberhinaus wurde durch umfangreiche Rollenspiele eine generelle Entfremdung gegenüber dem eigenen Leben eingeleitet. Hierzu mussten die Betroffenen nach unserem speziell angefertigten Organisationsplan die Alltags- und Spezialaufgaben eines anderen bewältigen, wenn nötig sogar dem ursprünglichen Standpunkt konträr entgegengesetzte Anschauungen vertreten.
Das Ziel der Zurückdrängung des Willens, der dem jeweiligen Körper zugehörig ist, verlief planmäßig in den gewünschten Einzelschritten. Ein differenzierendes Bestrafungssystem verhinderte jede aufkeimende Widerwehr, sodass wir nach Jahren (kurz vor dem Anschluss an die betreffenden Maschinen) völlig veränderte, ichlose Körper vor uns hatten, die zu jeglicher Lebensbewältigung unserer Kontrolle bedurften.
Als dann durch unsere Geräte die zerebrale Synthese erfolgte, konnten wir zu unserer Freude und Beruhigung feststellen, dass all unsere Apparaturen nun wirklich zu funktionieren schienen. Gehirntests zeigten eine ungeahnt hohe Gesamtleistung in allen Testbereichen, Ausfälle waren keineswegs zu beobachten.
Doch diese sollten noch folgen.
Am dritten Tag nach Inbetriebnahme kam es zu den ersten kurzweiligen Leistungsabstürzen von wenigen Sekunden. In diesen flüchtigen Momenten begannen die Personen ohne Aufforderung Selbstgespräche zu führen und hielten völlig der Verhaltenskontrolle stand. Dieser Zustand hält bis heute unverändert an, ohne den geringsten Fortschritt. Daher bleibt uns wohl nichts anderes übrig als die gesamte Arbeit von inzwischen acht Jahren bis ins kleinste Detail auf Fehler zu überprüfen. Ich befürchte Ihnen mitteilen zu müssen, dass aufgrund jetziger Situation kein verlässlicher Termin für den Abschluss unserer Arbeit genannt werden kann.« Eine wesentliche Herausforderung, die spätestens einen Erwachsenen einholt:
Der Wunsch, sich mit Gesprächen die Zeit zu vertreiben. Die Beherrschung von Mitteilungen an Personen des Augenblicks. Geselliges Reden in Lightversion ohne, des Selbstschutzes wegen, sein Innerstes herauszuschälen.
Aus Angst vor der Stille und der beklemmenden Erfahrung eines gemeinschaftlichen Schweigens, werden Informationen hin und her geschoben. Die Zeit muss totgeschlagen werden, also zeigt man Interesse, lässt sich Besonderheiten einfallen, fragt aus. Der Redefluss muss am Leben gehalten werden, das verspricht gute Laune. Man rechtfertigt das:
Ein gesunder Mensch lernt gerne jeden Menschen kennen, sozialisiert sich und teilt sich mit. Vor dem Kennenlernen muss man sich durch das Reden vergewissern. Möchte ich diese Person kennenlernen, kann ich bei ihr meine Persönlichkeit positiv ins Gedächtnis brennen?
Die gemeinsame Tat jeder Art erfordert in der Regel immer eine prüfende Besprechung, sich einfach auf sein eigenes Gefühl zu verlassen scheint viel zu riskant oder wurde niemals erprobt. Gemeinsames zu unternehmen kommt nach dem obligatorischen Tauschen irgendwelcher Worte. Der verbale Austausch ist eingespielt, bewusst gelenkt und unvollständig.
Eine Situation, in der man sich still begegnet und dann, als ob man sich kennt, situationsbedingte Dinge gemeinsam erledigt, scheint irreal. Man lernt im Stillen nicht kennen, egal ob man auf noch so vielen anderen Kanälen kommuniziert. Was aber haben Worte für eine Funktion, wenn sie, wie gesagt, meistens Datenmüll sind? Sie bieten nur die Basis zur Kommunikation auf anderen, unbewussteren Kanälen.
Man glaubt nur, dass eine Lockerung und Öffnung glücken kann, wenn die Worte stimmen. Ist man sich dieser Täuschung aber bewusst, kann man heutzutage trotzdem nicht das Reden weglassen – der einleitende Small Talk ist Pflichtritual.
Man sollte wieder mit dem Riechen, dem Augenkontakt etc. beginnen. Wozu ist die Nase gut, wenn man nicht am anderen schnuppert? Das Reden als neuzeitliche Alternative geschieht in der Hoffnung, den Geist des Gegenübers erforschen zu können, was doch ein zum Scheitern verurteilter Versuch ist. Man sollte aufgeben, das Sprechen zu wichtig zu nehmen, eine Zeit, die ihren Schwerpunkt auf nonverbale Attraktion legt, muss angeordnet werden. Sie hat gerade ihre 200 Meter Freistil beendet. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in den letzten Metern war sie zu sehr angespannt, um die anderen zu beobachten. Wer wird die Erste? Ihr Blick ist fest auf die Anzeigetafel gerichtet. Im Gesicht kann man unschwer erkennen, wie unangenehm diese kurze Phase der Ahnungslosigkeit sein mag. Um dies am besten durchzustehen, scheut sie jegliche Regung, die Haltung eines Eisblocks kostet in diesem Augenblick die wenigste Energie. Im nächsten Moment löst sich dieser Krampf schlagartig – die Ergebnisse sind auf der Tafel erschienen.
Wenn man seinen Blick die ganze Zeit auf ihre Reaktion gerichtet hat und die Anzeigetafel nicht im Auge hatte, könnte man sehr verblüfft über diesen plötzlichen Sinneswandel sein. Das pure Glück deutlich in den Augen erkennbar, im Kopf wahrscheinlich die Erkenntnis über die Folgen eines solchen Sieges, und das Erwachen des Mundes werden von uns richtig interpretiert, da man sich als Zuschauer ja ebenso des Kontextes bewusst ist und solche Gefühlsregungen in den passenden Momenten erwartet.
Was aber dann geschieht, ist für jeden unerklärbar, der das Gesicht der siegreichen Schwimmerin unter die Lupe genommen hat. Auf den verständlichen Glückstaumel folgt wie ein Schlag in das Geschehen eine seltsame Verzerrung der Mundwinkel, während die Augen einen Schrecken erahnen lassen. Sie scheint gelähmt zu sein. Das strahlende Lächeln und die Erleichterung wurden unterbrochen, es herrscht offenbar in ihr eine Ratlosigkeit über sich selber. Was war das, was ihr plötzlich in diesem schönen Moment alles zerstört hat? Weder Außeneinflüsse noch negative Gedanken hat sie bemerkt, es scheint ihr vielmehr, als sei einfach ihr Glücksausbruch versickert, weil sie ihn nicht aufrechtzuerhalten vermochte. Wie ein mechanischer Vorgang, der zum Erliegen gebracht wurde, scheint da nichts mehr zu sein, was ihr die Fähigkeit gibt, zu lachen, sich zu freuen. Sie ist ausgesaugt.
Allmählich ist ihr klar, was ihr widerfahren ist. Mit dieser Erkenntnis erinnert sie sich wieder an die unzähligen Zuschauer – Haltung bewahren! Sie versucht zu rekonstruieren, wie sich ein freudestrahlender Mensch gebärdet. Die Simulation des Glücks fällt ihr zwar schwer, aber bis zum Gang in die Kabine glaubt sie unbemerkt geblieben zu sein.
Leider irrt sie sich, denn wir waren im richtigen Moment aufmerksam. Wir waren Zeuge eines seltenen Ereignisses. Selten, weil dieses kriminelle Vorhaben praktisch unmöglich ist und nur von einer Handvoll Erdenbewohnern beherrscht wird. Softwarekonzerne warben für die Abschaffung der Eingabegeräte und Werkzeuge. Tastaturen und jegliche Schalter, die nach einer geistigen Entscheidung auf eine körperliche Betätigung warten, waren Vergangenheit. Es genügte das Gehirn, um die Dinge in Gang zu bringen. Laut Microsnod waren die neuartigen Analysegeräte, die Befehle des Gehirns entgegennahmen, nur in einer Richtung benutzbar. D.h. nur der Informationsfluss von Mensch zur Maschine sei möglich, das fatale Gegenteil – von der Maschine zum Menschen – galt als ausgeschlossen. Dieses lukrative Machtpotential jedoch – die Beeinflussung von geistigen Prozessen – war in Wahrheit natürlich zu schade, um ungenutzt zu bleiben. Was man als Kontrollmöglichkeit „nicht in falsche Hände geben wollte“, blieb als Technologie nur kurz Firmengeheimnis.
So ist unser heutiges Netz, in das wir alle unsere Fühler strecken, keineswegs sicher. Ein revolutionäres Vorhaben: Die Sammlung nutzbarer Gemütsregungen. Was heute das Geld ist, wird morgen Glück sein. Diejenigen, die unendliche Massen an Glück aufhäufen und es den Mitmenschen entziehen, werden gesellschaftlich über ihren Spendern stehen. Ihre Macht üben sie mithilfe des grundlegensten menschlichen Gutes aus, ohne das keine langfristige Wiederwehr möglich ist. Eine Kirsche ist immer rot. Obwohl das Licht oft verschwindet und es im Dunkeln keine Farben gibt – sie ist anscheinend rot. Method Talking ist ein konkreter Weg, das Gespräch zu erweitern. Der Kommunizierende erlernt jedes vorstellbare Gefühl verlässlich hervorzurufen. Erwähnte Gefühle werden im Moment der Kommunikation nicht nur geschildert, sondern ein zweites Mal durchlebt.
Das ist möglich, weil die Gefühle durch Erinnerungen aus dem Leben ausgelöst werden. Diese Erlebnisse werden durch erlernte Techniken zugänglich gemacht. Der Vorgang ist jederzeit wiederholbar. Die Emotionen übermitteln das Gesprochene weitaus authentischer und machen so das Gespräch um Längen intensiver. Der Zuhörer wird zum Augenzeugen dessen, was die Person erlebt hat, denn in emotionaler Weise passiert es gerade jetzt noch einmal. Empfindungen in Echtzeit haben ein stärkeres Zuhörpotenzial als Nacherzählungen. Ein systematisches Training des Erzählenden ist Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung. Die Method(e) basiert im Wesentlichen auf einem Entspannungstraining, der Schulung aller Sinne, sowie des emotionalen Gedächtnisses und der Konfrontation bzw. Bewältigung persönlicher Ängste. Auch Naturliebhaber finden an Selbstorganisation eigentlich keinen Gefallen.
Wenn wir die Zeiten erfunden hätten, gäbe es nur eine Jahreszeit.
Im Park wird regelmäßig das Gras geschnitten. Die Parkpolizei kümmert sich um den Erhalt der Verhältnisse. Rasenmäher und Patrouillen sorgen für Ruhe. Die Wege werden gesäubert und in Stand gehalten. Die Bedingungen werden auf einem Level gehalten, die Kontrolle setzt am Keim an. Dem Leben wird die Luft abgedrückt, nur kleine Zeitintervalle bleiben für Wachstum und Entfaltung.
Der Park soll unter der Kontrolle des Menschen bleiben, dennoch sind die Interventionen gegen natürliche Abläufe zu schnell und restriktiv angewandt. Der Mensch lebt von der Abwechslung, seltenere Eingriffe wären besser. Ein zyklisches Wechselspiel zwischen minimaler Intervention und verordneter Autonomie für eine temperamentvollere Lebensatmosphäre. Denn es gilt, die Zwangsneurosen und antiquierten Vorstellungen gegenüber der Natur abzustellen. . Er taucht nackt in das 10 Grad kalte Wasser des Gebirgsbaches ein. Sie verbringt die kalten Wintertage, in denen die Heizung kollabiert, im T-Shirt und kurzer Hose. Das Schwarzfahren im Fluggepäck ist Mode geworden. Man muss sich beim Schlafen nicht zudecken. Alle lieben Beach-Volleyballmatches (statt auf Sand lieber im Schnee) und den obligatorischen Klaps auf den Hintern unter den Spielerinnen. Endlich können die vielen schönen Menschen das ganze Jahr über spärlich bekleidet ihre Haut zeigen. Die Zeiten des Einmummens beim Motorradfahren sind vorbei. Naniten. Wissen ist Macht. Anschluss genügt. Ein paar Euros nicht. Reiche Menschen erwerben schnell Wissen und werden so noch reicher. Die Schulbiologie von Linder kostet 4255$, mathematische Grundlagen Bd. 1-5 des Klett Verlages 4999$, East of Eden 299$, das Gesamtwerk von Lem immerhin 1499$. Der hauseigene Trichter ist Prestige-Objekt und Machtgrundlage. Bei häufiger Benutzung schwindet die Konzentrationsfähigkeit – man wird abhängig vom Informationsbeschuss. Es ist chic, ein Trichtermensch zu sein. Es gibt immer mehr Kleidung, in der sich neben dem privaten Speicher (die meisten Daten lagern auf Servern) die nanoelektronische Rechnungseinheit befindet. Die Einteilung erfolgt praktischerweise nicht mehr in Oberteile und Hosen. Man findet mehr Gefallen an lang- oder kurzärmeligen Overalls. Die farbliche Beschaffenheit ist völlig flexibel und individuell modifizierbar. Der Stoff ist geruchsresistent und bedient sich des aus der Natur bekannten Lotuseffektes: Aufgrund der besonderen Oberfläche (siehe Lotusblätter) genügt ein flüchtiges Bestäuben mit Wasser, um sämtliche Schmutzpartikel vollständig zu entfernen.
Die Teilchenbewegungen in dem Material können in ihrer Geschwindigkeit reguliert werden. So ist eine Temperaturregelung von 10 - 40 Grad Celsius möglich. Die meisten Menschen tragen nach ihrem vollendeten Wachstumsprozess ihr restliches Leben dasselbe Kleidungsstück. Es gibt keine Vegetarier mehr, weil es keine Schlachtungen mehr gibt. Jeder kauft sich nach Lust und Laune z.B. eine Schweinelende von Traute, ein Rinderfilet von Dagmar, Lammsteaks von Lucy oder eine Putenbrust von Cindy. Fleisch wird nach dem Vorbild von idealen Zuchttieren synthetisch hergestellt. Diese Tiere sind schon lange tot, man bedient sich nur ihres individuellen Bauplans. Daher rühren auch die seltsamen Namen, die einem beim Einkauf begegnen. Man wollte aus Ordnungsliebe eine Normierung und so benannte man die in Preisklassen gestaffelten Schweinefleischsorten wie auch jegliches andere Fleisch nach den Muttertieren, die den jeweiligen Konstruktionsaufbau lieferten. Eine Petra ist beispielsweise eine Fleischsorte, von der jeder Käufer aus Erfahrung weiß, dass sie die unterste Preisklasse im Rindfleischbereich darstellt. Man kauft nur Petra, wenn man eine Suppe kochen will.
In Fabriken wachsen in horrendem Tempo riesige Fleischberge an. Benötigt wird hauptsächlich nur Wasser und Kohlenstoff. Die Form des Fleisches ist beliebig definierbar. Dies hat seltsame Ausmaße zur Folge. Nach dem Vorbild des Spaghetti-Eis werden verschiedenste fleischlose Objekte aus einem Klumpen Fleisch nachgebildet. So kann man etwa einen Lammbraten in Form einer Ananas kaufen, einen Kubus namens „Heimwerkerglück“ erwerben, der beim Öffnen etliche Schweinesteaks in Form von Bohrern, Schraubenziehern, Imbusschlüsseln etc. offenbart. Man kann sich nicht wundern und muss es schlucken – der Fleischkonsum hat massiv zugenommen. Die Gitter sollen den Wiederholungstäter von dem Rest der Welt fernhalten. Für einen bestimmten Zeitraum jedenfalls kann er keinen Schaden mehr verursachen. Aber Läuterung wäre in der Haft eine absurde Reaktion, keinerlei Anlass zu solchen Spinnereien.
Bestrafungen müssen viel laxer werden. Eine animalische Grenze wie das Stahlgitter sollte nur dann gebraucht werden, wenn der zu Bestrafende eine physische Gefahr darstellt. Die Gitter sind ein Schutz vor seinen Händen, der Geist soll aber laut Handbuch zu anderem Verhalten überredet werden. Eine Haftzelle ist dafür meist zu unattraktiv.
Hat er Firmengelder veruntreut, sollte er eine Geldstrafe erhalten, anschließend bleibt ihm die Möglichkeit sich am Fließband seines Betriebes vor der angeordneten Zwangsarbeit zu drücken. Erst bei einer expliziten Weigerung könnte man die Beugehaft als Endstufe heranziehen. Auf dem Hintern zu sitzen ist unnatürlich. Der Naturmensch stand, lag oder ging in die Hocke, wie es heute noch einige Völker tun. Wir möchten, wirtschaftlich wie wir sind, beim Sitzen unsere Füße als Werkzeuge zur Verfügung haben. Dabei vergessen wir jedoch, dass dies eine asymetrische Körperhaltung ist. Das beweist die Wirbelsäule und auftretende Beschwerden in diesen Bereichen. Das Sitzen ist genauso unnatürlich wie das Gehen. Wenn man Kinder beobachtet, sieht man unsere Grundanlagen. Um an ein Ziel zu kommen gibt es als einzige Alternative das Rennen. Die Menschen bewegen sich in der Regel wieder auf ihren eigenen Füßen fort. Autos sind im Museum, die Wege in den Städten wieder entbetonisiert. Überlandfahrten erledigt man im Hovercraft, mit dem eigenen Zeppelin oder unterirdisch mithilfe des Rohrsystems. Die Wiese oder andere natürliche Bodenoberflächen sind in den Städten nur durch Laufbänder unterbrochen. Trotz aller Naturliebe – der Mensch ist faul, daher zieht sich zwischen den Häusern ein Netz von Laufbändern hindurch.
Auf belebten Straßen kann man wählen. Steigt man auf das Laufband, genügen ein Paar Schritte nach links und schon steht man auf dem nächstschnelleren Band. Das dritte Band, das für die ganz Ungeduldigen gebaut wurde, bringt immerhin 40 km/h auf den Tacho. Fängt man hier noch zusätzlich zu joggen an, bewegt man sich mit circa 50 km/h fort, und das ist eine um Längen schnellere Fahrt von a nach b als mit dem Auto, denn man muss niemals anhalten. Verstopfungen sind außer bei Großereignissen ausgeschlossen, da die Bänder breit genug sind.
Die Bänder der ersten Generation sind zum Glück abgelöst. Diese folgten noch der Maxime der Begradigung, man musste beim Abbiegen auf 90 Grad gestellte Bänder umsteigen, da die Bänder aufgrund ihrer Konstruktion keine Kurven zuließen. Dies hatte ein äußerst hässliches Stadtbild zur Folge und zu allem Überfluss ragten die Bänder aus dem Boden heraus. Man musste vier Stufen erklimmen, um ein Band zu betreten. Aufgrund des mangelnden Vertrauens gegenüber dem Bürger zäunte „zum Schutz“ ein hässliches Geländer das Band ein, man konnte es also nur an bestimmten Zugängen betreten. Das Geländer ist jetzt weg und das Band schmiegt sich mit 2cm Erhebung perfekt an die jeweiligen Bodenverhältnisse. Für das Band wurde ein neuartiger Werkstoff entwickelt, der optimal in Kurven oder bei Steigungen gebogen werden kann, jegliche Last jedoch ohne zu murren zum gewünschten Ziel befördert. Dies machte eine sehr willkommene Entscheidung möglich: das Band wurde in keinem Abschnitt exakt begradigt, um eine biomorphe Wirkung zu erzeugen und der Natur treu zu bleiben. Man kann das Band von überall aus als Hilfe hinzuziehen und wann man möchte wieder verlassen. Infrarotsensoren warnen lautstark, wenn man sich unaufmerksam, vom Boden aus, dem Hochgeschwindigkeitsbereich nähert. Diese Erneuerungen haben die Stadt von ihrem technokratischen Charakter und vor allem dem Beton befreit, ein riesiges Organ durchzieht nun inmitten von Grün die Wohnstätten der Menschen. Das Wasser wird von uns belästigt. In fast allen Lebensbereichen ist es zensiert worden. Es wird hinter Wasserhähnen in Zaum gehalten oder in Form von portionierter Natur zur Schau gestellt bzw. ausgebeutet. Welchen Grund gibt es, Wasser fast vollständig aus Gebäuden zu verbannen?
Wie schon erwähnt, könnte ein Fluss gewöhnliche Wohnräume tangieren, Tümpel, Springbrunnen in fünffacher Austattung und Bäche würden die Ruheatmosphäre unzähliger Schlafzimmer intensivieren. Es gibt schon lange wasserdichte Anzüge, warum nicht auch beim Kneipengang, Behördenshopping oder Einkauf anziehen? Nicht nur Städte sollten Kontakt zu natürlichen Gewässern haben, sondern jedes Haus. Es muss ein allumfassender Aberglaube kreiert werden, der es den Menschen für höchst fatal erscheinen lässt, mehr als 5m weg vom Wasser zu bauen. Wer dennoch zu den armen Wüstenvölkern gehören will, macht sich zum Außenseiter. Man gedeiht nur mit Wasser. Trank, Kühlung, Lagerung, Säuberung, Heilung, Beruhigung, Belebung und Naturkontakt – wir sind Wasserbehälter. Aus Scheiße wird in der Aufbereitungsanlage der Klärschlamm gefiltert. Dieser lagert im faulen Ei und erzeugt Biogase. Mit dieser Energie wird die Anlage betrieben. Zusätzlich kann man heute schon aus dem Klärschlamm Rohöl gewinnen. Das ist nichts Neues. Der Mensch ist sein eigener Ölproduzent, die Erdölquellen müssen nicht so maßlos ausgebeutet werden. Die Grundfläche bilden meist rechteckige Platten, die sich aus Holzplanken zusammensetzen. Manche Menschen würden es Floß nennen, hier jedoch ist die Fortbewegung nicht primär. Daher würde dieser Ausdruck das hier beschriebene Objekt in ein falsches Licht rücken. Wie gesagt, besteht es aus Holz und kann so ohne Schwierigkeiten ein beliebig großes Haus auf stillen Gewässern tragen. Das Grundstück bedarf aufgrund des angrenzenden Wassers keiner Umzäunung und ist darüber hinaus standortflexibel. Hierzu dient ein Gerät, das einem Bootsmotor ähnelt und am Rande des Floßes befestigt ist. Einwohner dieser Vehikel schätzen, wie bereits angedeutet, das Wort Floß nicht besonders. Es wird geradezu als Rebellion angesehen, sich wiederholt wie ein Nomade der Möglichkeit zu bedienen, mit seinem Eigenheim umherzuziehen.
»Ein anständiges Haus liegt jahrelang vor Anker, bevor es ein solches genannt werden kann – wissen die jungen Menschen heutzutage überhaupt noch, was Bodenfestigkeit und Zusammenhalt bedeuten? Anscheinend nicht, denn das Bilden von traditionsreichen Siedlungsketten und die nachbarschaftliche Nutzung von gemeinsamen Flächen wird aufgrund einer grassierenden Rastlosigkeit und Unruhe immer schwieriger. Zur Errinnerung: Die Fortbewegungsoption ist nicht für den trotzigen Eigenwillen integriert worden, sondern war von Anfang an dem Allgemeinwohl verpflichtet. Man sollte als Seebewohner stolz auf seine Unabhängigkeit sein, ohne maßlos zu werden.
Einst konnte man nachts von oben verschiedene Gewässer durch ihre einzigartigen Lichtmuster unterscheiden und uralte Pfade nutzen, für die zahlreiche alteingesessene Floße überquert werden mussten. Heute herrscht uneingeschränkte Indivualitätsgier. Solidarität ist unmodisch, der Mensch von heute ist nicht zu halten. Das Lichtzeichen eines Sees wird dem Zufall überlassen und gleicht so jedem anderen. Man predigt eine geeinte Menschheit und beschmutzt die Versuche, die ehrwürdige Heraldik regionaler Verbände aufrechtzuerhalten mit Verunglimpfungen wie »Nationalismus«, »Isolationismus«, »Engstirnigkeit« oder »Ordnungswahn«. Eine traurige Vorstellung, das vollständige Zusammenschmelzen aller nassen Nationen zu einem chaotischen Einheitsbrei irgendwann einmal mit ansehen zu müssen.« Wenn ich mich in der Stadt aufhalte, möchte ich genügend Flächen zum Liegen bereitgestellt haben. Ich meine damit nicht irgendeinen öden Betonblock oder eine Parkbank, sondern öffentliche Gegenstände, die explizit zum Liegen konstruiert sind. Bequem (also weich) müssen sie sein. Eine neuartige Bereicherung des Stadtbildes, man stelle sich vor, dass überall inmitten der hektischen Menschenmasse nicht nur Sitzer sondern unzählige Liegende für Ausgleich sorgen. Wer sitzt, würde lieber liegen. Es ist eine abwegige Verhaltensweise, nur im intimen Bereich den Körper in die Horizontale zu bewegen. Die Fantasie erfährt einen Schub beim Blick in den Himmel. Licht erhellt das Gemüt. Im Umkehrschluss produziert das erhellte Gemüt imaginäres Licht. Es ist eine Wonne, in völliger Dunkelheit zurechtzukommen. Der konservative Mensch benötigt seine helligkeitsvariablen Wände, die ihm die exakte Sonnenintensität eines beliebigen Weltschauplatzes ins Zimmer zaubern. Progressive Zeitgenossen nähren ein vom Gehirn erzeugtes „Außenlicht“ und verbrauchen so deutlich weniger Energie. Das Gehirn empfängt die Signale und produziert, nachdem die vertraglichen Vorgaben des zu Erhellenden abgerufen worden sind, das von der Raumform vorgeschlagene Licht. Gerichtetes Licht wird unnötig und existiert nur noch auf besonderen Wunsch bei gestalterischer Betonung eines Augenmerks oder vorwiegend unter nostalgischen Menschen höheren Alters. Während ich vertraglich eine gleichmäßige Erhellung des Raumes wünsche, liest meine Partnerin gerne neben mir mithilfe eines kleinen Lichtkegels in völliger Dunkelheit ihr Buch. Dabei kann es doch überall hell sein. Der eine oder andere fühlt sich unwohl nach langem Alleinsein in seinem Zuhause. Der Fernseher, Computer oder Töne zeigen ihm, dass es durchaus noch andere Menschen gibt. Im Gegensatz zum Buch wird der Mensch scheinbar in Echtzeit dargestellt. Der Zeitfaktor ist bei weitem nicht so individuell manipulierbar wie beim Lesen. Kurz: Man ist der Erfahrung ausgeliefert und auf Konsum angewiesen. Dies kostet nicht so viel Energie wie das imaginatorische Lesen, bei dem das gedankliche Produzieren an erster Stelle steht. Ist man also ungern alleine, sinkt die Belastbarkeit und die Entscheidung fällt aus Schwäche auf Konsum.
Ein noch wirksameres Heilmittel entsteht dann, wenn die Simulation real wird. Man braucht dazu ein Zusammensein während des Alleinseins. Hierzu legt man ein unterirdisches Netz aus, das aus Aluminium besteht und Schallwellen an jedes Heim (und wieder weg) schicken kann. Die hohlen, abgeschirmten Rohre sind durchweg rund und weisen zur besseren Leitfähigkeit des Schalls keinerlei Kanten auf. Je nach Eingangs- oder Ausgangsrohr führt eine richtungsweisende Nanobeschichtung des Metalls zu einer besseren Übertragung. Darüberhinaus wird speziell bei größeren Distanzen Wind zur Unterstützung des Schalls eingesetzt. Ähnlich wie beim Blechdosentelefon aus der Kindheit entsteht so die Illusion, das gehörte Geräusch rühre von der unmittelbaren Umgebung her, obwohl es in Wahrheit meilenweit entfernt sein kann. Es sind Schreie, Rumoren, Staubsauger, Fernseher, Gespräche, Feste, jegliche lautstarke Arbeiten etc. der »Nachbarn« nach Wunsch auf- und abdrehbar. Dieser Zusammenschluss ist völlig stromunabhängig und bedient sich nur mechanischer Klappen, die zur Abriegelung verwendet werden können. Die Rohform ist somit absolut umweltschonend, lediglich folgende Zusatzfunktion bedarf der Elektrizität (optional):
Das Zuhause verpasst automatisch den eigenen Geräuschen eine Wassermarke, die von Indikatoren gelesen werden kann. Hört man beispielsweise beim Einschalten des Geräuschempfängers einen uninterpretierbaren Klangbrei, ist sofort am Indikator eine Liste abrufbar, die alle am Konzert beteiligten Haushalte herausfiltert und IDs ausgibt. Man kann seinen Hörradius beliebig reduzieren und durch die Wassermarken sogar mit jemandem in Einzelkontakt treten, falls Geräusche eines Einzelnen die Aufmerksamkeit beschäftigen sollten.
Dieser Klangwasserfall beruhigt die Seele des Einsamen intensiver als der Fernseher im Hintergrund, weil er dem wahren Leben lauscht. Falls es ihn drängt, kann er sein Zuhause verlassen und realen Kontakt aufnehmen. Die Polizei zieht ebenfalls ihren Nutzen aus der Sache, wenn beispielsweise bei einer Vergewaltigung versehentlich der Sender angeschaltet ist. Es entstehen riesige Communities, die mit individuellen Klängen ein neues Orchester bilden. Jeder wird Nachbar von jedem, eine große Menschenfamilie. Der Einsame fühlt sich wieder wohl. Ich bin schon so gut, dass ich mich reibungslos in eine Ameise hineinversetzen kann. Ich habe einen Staat gegründet. Unter mir meine Töchter, die für mich sorgen. Dann und wann kommt eine vom Außendienst mit vollem Mund, ich ziehe an ihren Fühlern und bekomme was ab. Ich muss mehr Druck machen, dass uns unsere Blattlauszucht nicht verkommt. Die Jüngeren scheinen sich immer mehr einen Dreck um alles zu kümmern, vom Chauffieren zu den Fresspflanzen kann gar keine Rede mehr sein. Das geht so nicht. Die einen verteidigen das Nest, die anderen erledigen, wie gesagt, den Außendienst, und die Ammen kümmern sich um die Larven. Warum klappt das nicht mehr ohne Wenn und Aber?
Bevor alles verlottert ist, muss ich für Beschäftigung sorgen – ein Krieg muss her. Dann wissen sie wieder, dass sie alle Schwestern sind und es wichtiger ist, den gesamten Bau zu verteidigen, als sich um das eigene Leben zu kümmern. Geld dient in unterster Stufe zur Besitzwahrung. Der wirkliche Besitz, duch den der tatsächliche Status eines Individuums ermittelt werden kann, ist organisch. Er funktioniert und lebt. Bei einfühlsamer Pflege wächst er. Alle besitzenden Menschen sind glücklich und werden sich hüten, ihrem Eigentum böse Dinge anzutun. Ich persönlich besitze 3 Fernfahrer, die in Kanada leben, esse jeden Tag eine Ananas und kümmere mich um 17 Füchse. Talk für den Rentner auf allen Fernsehkanälen, eine eigene Boulevardsparte auf billigem Papier, Mikrowellengerichte ohne Zuckerzusatz, die eigene Volkspartei, das sentimentale Damalsgefühl neuer, noch mehr zusammenschweißender Schlager, Computerspiele, die sich an das schwindende Reaktionsvermögen anpassen – das und noch viel mehr brauchen unsere alten Mitmenschen, um soweit zu verblöden, bis endlich die Jugend im Besitz der Herrschaft ist. (für Joki) Die Erde ist unser Los.
Andere Planeten sind weit entfernt, wir haben sie daher gedanklich zu uns geholt. Wirklich ferne Dinge gibt es aber genügend unter den Füßen und in uns. Wir dürften vorerst ausgelastet sein mit unserer Arbeit vor der eigenen Tür.
Menschliche Rastlosigkeiten und Fernweh müssen ab sofort durch naheliegendere Problembewältigungen kompensiert werden. Zuviel Kapital verschwindet im Orbit. Man glaubt, durch einen simplen Ortswechsel eine Weiterentwicklung zu erreichen, und tritt, während man dies denkt, geistig auf der Stelle.
Alle fremden Planeten können äußerst einfach mit dem Geist erfunden werden, was als Freizeitbeschäftigung ausreichen sollte, denn es gibt wichtigere Baustellen. Das Klingonisch verwirrter Trekkies war eine sehr irdische Erfindung und ist wertvoller als die Mondlandung. Der Weltraum könnte wieder seine Pflicht als Sphärenmusikant erfüllen. Am Anfang bildete man die Realität durch Zeichnungen ab, dann fotografierte man, fügte dieser Methode noch die Zeitkomponente hinzu und erhielt schließlich den Film. Jetzt materialisiert man mithilfe von Naniten die Dinge.
Doch vorher zu einem Zwischenschritt, der Holographie:
Wie kann man einen beliebigen Punkt in der Luft zur Streuung des Lichts bewegen, ohne den Raum rundherum? Die Antwort kennt kein Laie und doch sieht er in jedem Schaufenster, dass schon längst eine Antwort gefunden wurde. Der Juwelier zeigt aus Sicherheitsgründen nur Lichtplagiate der Originaldiamanten. Wenn es keine Ausweisungspflicht für Holographien gäbe, bekäme man gar nicht mit, wie in letzter Zeit der Schein überhand genommen hat. Überall dominieren Holographien das Stadtbild. Das Abbild ist günstiger, bedarf keines Transportes und hat keinerlei optische Mängel.
Die realen Vorbilder machen sich rar und werden zum Luxusgut. Virtualität geht zumindest oberflächlich in Realität über. Bisher ist als Informationsausgabe lediglich eine oberflächlich exakte Holographierung im öffentlichen Gebrauch.
Dieses Manko führt zum aktuellen Projekt. Zur fototechnischen Materialisation:
Im Entwicklungsstadium befindet sich eine Methodik, die es erlaubt, neben der äußeren Beschaffenheit auch das Innenleben exakt einzufangen. Die Oberflächenbeschaffenheit wird per Laser abgetastet, das farbliche Aussehen wird in altmodischer Methode abfotografiert, das Innenleben wird mithilfe von Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen computertomografisch eingelesen (neu), verwandte Strahlen ermitteln den molekularen Aufbau und liefern auf diese Weise die enthaltenen Stoffe (neu).
Mit den Neuerungen hat man den Bereich der Virtualität verlassen, die Kopien sind nicht mehr von den Originalen zu unterscheiden. Das Abbilden ist keine eigenwertige Schöpfung mehr, es ist die perfekte Wiederholung. Ein komplexes Objekt kann wie zwei identische Atome exakt seiner Kopie gleichen. Benutzt man eine neuartige dreidimensionale Kamera, um beispielsweise einen Raum zu fotografieren, scannt man sich den Bauplan für das exakte Ebenbild ein. Die anschließende Materialisation muss nun fehlerfrei funktionieren und schon ist folgende Revolution eingetreten: das Kopieren ist zur verlustfreien Vervielfältigung geworden.
Es gibt nur einen Haken: Die Erzeugung desselben kostet genauso viel Energie wie die natürliche Entstehung der Einzelteile des Vorbildes. Da dieser Energieaufwand auf einen Schlag bei der Vervielfältigung benötigt wird, kommt es bei komplexen Objekten zu Engpässen. Weil bei der Fotografie eines Lebewesens die Leistung eines Atomkraftwerkes in Anspruch genommen werden müsste, baut man bereits bei den Prototypen Energieschranken ein, die aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen die Fotografie von Lebewesen verhindern. Es wird ein Gesetz geprüft, das jegliche Materialisation von Lebewesen grundsätzlich verbietet. Hier würde dann nur die herkömmliche Oberflächenholographie bleiben.
Die exakte Vervielfältigung von diversen Gegenständen ist für Millionäre durchaus denkbar, während sich der Normalbürger der energiesparenderen und vereinfachenden Kompression bedient. Der Geldbeutel entscheidet hierbei über den Kompressionsgrad. Man bedenke: ein zu stark reduziert kopierter Stuhl ist labil und die exakte Kopie des Mutterstücks wäre nahezu unbezahlbar. Beobachtungsapparat=Medium. Im Unterschied zwischen Infrarotfilmmaterial und Schwarzweiß-Material, dem Unterschied zwischen Dia- und Papierabzug oder in den spezifischen Differenzen zwischen einem normalen Farbpapierabzug, einem Diasec-Abzug, einem Leuchtkasten oder einem Cibachromeabzug zeigt sich die spezifische Materialität des Mediums, die, bedingt durch die spezifische Technik des Apparates, bestimmte Beobachtungen erst hervorbringt. Die konkrete Beobachtung erzeugt den zu beobachtenden Gegenstand. Ohne Beobachtung gibt es auch keinen Gegenstand, den man beobachten könnte. Eine Beobachtung ist niemals ohne ihr Medium möglich. Sie ist in jedem Moment an ihr Medium gekoppelt. Wie die Welt ohne ein Umgebungsmedium aussieht, kann man sich nicht vorstellen. Doch die Kreation mehrerer unterschiedlicher Medien ist interessant.
Vorschläge: Extrem flüchtige Räume, drehende und pausierende Zeitpfeile, nur Klone des Selbst, externe Organe, Umkehr von Ursache und Wirkung oder die Aufhebung dieser Kopplung, Imagination als materialisierender Prozess etc. Stuttgart ist kalt. Man sollte alles erwärmen oder verbrennen. Jeder Bürger muss zum Strafdienst pro Tag 1h ins Solarium. Die Amtssprache wird wie eine lodernde Fackel wöchentlich gewechselt. Wenn nichts mehr funktioniert, kann man einen Neuanfang wagen. Energiekonzerne drohen unterzugehen und suchen daher verzweifelt nach Überlebensstrategien. Den Menschen als Energiequell zu betrachten ist ein alter Hut, trotzdem wird in dieser Richtung einiges ausprobiert. Sportartikel sind Eigentum der Energiekonzerne, das Schuhwerk registriert die Aktivität des Läufers und fängt die Kraftwirkung auf. Die Entladung erfolgt an der mitgelieferten Station. Das erarbeitete Guthaben wird auf einem Account gespeichert und steht der Person zur Verfügung. Strom kann neben wechselnden Aktionsangeboten diverser Sponsoren kostenlos bezogen werden. Die Landschaft ist übersät von rennenden Sportverrückten. Fettleibigkeit und Krebsrisiko haben abgenommen. Anfangs waren Maschinen in Umlauf, die, in Hinterhöfen aufgebaut, den Schuhen ununterbrochene Aktivität vorgaukelten, doch diese Sicherheitslücke wurde schnell geschlossen. Jetzt sammeln die Schuhe nur noch Energie, wenn ein Ortswechsel stattfindet (per Satellit ermittelt). Für etwas mehr Geld kann man Fitnessgeräte erwerben, mit denen aufgrund raffiniertester Übersetzung atemberaubende Gewichte in Bewegung gesetzt werden können. Der Beruf namens »Stromerzeuger« ist die letzte Waffe gescheiterter Existenzen, die dienstleistend für andere den normalen Strompreis zu unterbieten versuchen.
Es ist sicher jedem klar, dass solche lächerlichen und antiken Energiegewinnungsmethoden, selbst wenn die gesamte Menschheit Strom erzeugen würde, nicht im entferntesten der herkömmlichen Atom- oder Kohlekraft das Wasser reichen können. Trotzdem gelingt es durch solche modischen Wellnesskampagnen, den Geiz von nicht ganz mittellosen Menschen zu erreichen. Man tut ja nicht nur für seinen Körper einiges, sogar Geld spart man dabei.
Zeitraffer: Fett wird in solch einem Nährboden wieder chic – derjenige, der es nicht allzu nötig hat, gönnt sich ein paar Rettungsringe. Der Bumerangeffekt tritt ein – die Energiekonzerne scheitern mit ihrem Witz, der Bürger bezieht von nun an autark per Solargewinnung seine Energie, ohne einen schmarotzenden Wirt, der sich in die Kette zwischenschaltet. Man hat den Wind, die Wolken, den Regen, Blitze und Donner, das Wasser, jegliches Feuer und die Planeten offiziell als Lebewesen akzeptiert. Das war, im Hinblick auf den aktuellen Interpretationsstand, eine hinfällige Definitionskorrektur. Die Maxime der komplizierten Systeme wird scheitern. Die Evolution entscheidet sich nicht für die Intelligenz, sondern für die Unverwüstlichkeit.
Ein hochentwickeltes System ist anfällig und kann ziemlich simpel zur Strecke gebracht werden, wenn man es von seinen Werkzeugen trennt, die es zu seiner Reparatur benötigt.
Unsere Maschinen müssen sich aus mikroskopisch kleinen Elemantarbausteinen zusammensetzen, aus Pseudozellen, die einander reibungslos ersetzen können. In Wahrheit liegt in der Masse mehr Kraft als in der Unersetzbarkeit. Eine beschädigte Maschine benötigt Teile und Einrichtungen, die nur eine hochentwickelte Industrie erzeugen kann. Ein System hingegen, das sich aus ein paar Kristallen oder anderen einfachen Elementen zusammensetzt, kann ohne weitere Folgen zerstört werden, weil es sofort durch eins von Milliarden ähnlicher Systeme ersetzt wird.
Regenerationstendenzen, wie sie Lebewesen aufweisen, sind für die kommenden Organismen Zeitverschwendung. Zukünftige Systeme werden aufgrund ihrer Primitvität keinerlei Entwicklung im Sinn haben und somit wenig Reibung/Widerstand erzeugen. Dies führt langfristig zu einer maximalen Beständigkeit und weitaus ökonomischeren Nutzung von Zeit. Diese Überlebensstrategie steht dem Intelligenz- und Innovationsprinzip gegenüber, wird sich jedoch langfristig durchsetzen. Röcke, lange Haare, Schminke, Schmuck, gestählte Körper, geschlechtsspezifische Allüren und der Stock.
Ich sehe ein rocktragendes langhaariges Wesen, das sich bewusst um einen weiblichen Gang bemüht. Ist das nun ein Mann oder eine Frau? Das kann man nicht so eindeutig sagen. Signale, die einst zur Geschlechtertrennung entwickelt wurden, sind vollständig verwaschen. Deswegen sollten fortan alle Männer einen großen, massiven Hirtenstock mit sich führen, der ihre Körpergröße übersteigt. Parallel kann man dazu Abendkleider, Rouge etc. tragen und trotzdem erkennt jeder am maskulinen Stab, mit wem er es zu tun hat. Wird das Führen eines Stockes für jeden Mann zur Ehrenpflicht (er fühlt sich nackt ohne ihn), so kann man auf eine Auszeichnung bei Frauen verzichten, sie erhalten das Recht auf totale Androgynität. Ich lese manchmal Steine auf und erkunde deren Eigenarten, um sie, nachdem mein Interesse nachgelassen hat, wieder weg zu schmeißen.
So kam ich unlängst dazu, eine äußerlich unscheinbare Ansammlung von Steinen durchzustöbern. Ihr heftiges Gewicht weckte mein Interesse. Alles was schwer ist, muss einfach wertvoll sein, und so beschloss ich nach kurzem Zögern, fünf von den größten mitzunehmen. Ich ein Steinesammler? Welche schrägen Hobbys würden folgen? Schwanfütterung im Park?
Doch solche Befürchtungen waren überflüssig, denn soweit sollte es gar nicht kommen. Folgendes Ereignis nimmt bis heute meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch und hält mich so von anderen Marotten ab. Zuhause angekommen breitete ich also meine Beute aus, weil ich mir neben der Schwere weitere Eigenheiten erhoffte. Ich begutachtete etwa eine Minute lang einen Kandidaten, bis ich enttäuscht in die Tasche griff, um vielleicht beim zweiten, etwas kleineren Stein mehr Glück zu haben. Nachdem beide Steine in meinem Blickfeld waren, verging kaum eine Sekunde und es vollzog sich etwas Folgenschweres. Der kleinere von beiden schien seine Größe an den anderen anzupassen. Das geschah sehr schnell und noch während ich erschrak, kam diese Halluzination zum Ende. Vor mir lagen zwei identische Objekte. Jegliche Ratlosigkeit blieb mir erspart, da ich in Ohnmacht fiel.
Nach dem Erwachen holte ich das allerdings nach. Das konnte keine herkömmliche Ohnmacht sein, die nur vom Schock herrührte. Denn erstens erinnerte ich genau den letzten Moment vor dem Kollaps, mir war der grelle, lautlose Blitz, der meine Ohnmacht einleitete, klar vor Augen. Zweitens aber trat etwas weitaus Interessanteres ein: Ich schien bis ins Detail über das Phänomen und den Grund für mein Wegtreten Bescheid zu wissen. Als wären es erfahrene Wahrheiten, konnte ich in mir folgendes abrufen:
Stell dir vor du hast zwei Steine von der gewöhnlichen Sorte, die absolut verschieden zu sein scheinen. Sie liegen vor dir und du hast die freie Wahl, dir einen Kandidaten auszusuchen. Du liebst beide sehr und bist unschlüssig, doch nach längerem Zögern entscheidest du dich, einen in die Hand zu nehmen. Warum hast du dich für den einen entschieden, wo du doch den anderen genauso schätzt? Irgendein minimaler Aspekt hat den Anstoß bewirkt, in eine Richtung zu kippen. Dieser Impuls, der zur Entscheidung führte, hielt so kurz an, war so schwach und im Unbewusstsein verborgen, dass du an eine intuitive Handlung glaubst.
Aufgrund der Rätselhaftigkeit des Unbewusstseins und des unüberschaubaren Ineinandergreifens etlicher Erinnerungen und Gedanken, die am Ende eine bestimmte Entscheidung bewirken werden, schwankt deine Entscheidungswaage. Das heisst du warst niemals über lange Zeit hinweg genau 50prozentig für den einen Kandidaten wie für den anderen. Deine Entscheidungswaage schwankte die ganze Zeit von 40-60%, bis du dich zu einer Entscheidung durchgerungen und die Waage in ihrem momentanen Neigungswinkel zum Stehen gebracht hast. Wirst du jedoch unsere besonderen Steine in gerader Anzahl erblicken, brichst du zusammen. Sie sind absolut identisch, obwohl sie sich scheinbar optisch unterscheiden. In Wahrheit ist der kurze Augenblick des Erblickens eine Täuschung, das Gehirn dichtet von selbst Unterschiede hinzu. Dein Organismus kennt aber keine exakte Wiederholung und reagiert zum Schutz mit einem Kurzschluss.
Entscheidbarkeit ist eine Grundbedingung deiner Wahrnehmung, ein solcher Verstoß wäre unter vollem Bewusstsein nicht zu verkraften. Wärst du wach, stünde deine subjektive Zeit still. Lange nach der Entdeckung des besonderen Gesteins wurden wirksamste Waffen entwickelt, die sich dem bedingungslosen Effekt der Steine bedienten. In Folge dessen fiel das Augenlicht der Evolution zum Opfer. Trotzdem änderte sich an der Denkweise des Menschen weitaus weniger als man annehmen könnte. Defizite waren schnell vergessen und die frei gewordenen Bereiche des Sehsinns wurden unter den anderen Sinnen aufgeteilt. Eine exakte, dichte und universelle Sprache codierte in rasendem Tempo das Bild vor das innere Auge. So wurde für jeden Menschen eine quasivisuelle Umgebung imaginär erzeugt. Stellenweise sind das sicherlich starke Einbußen gegenüber dem Sehen, doch Farben blieben so in vereinfachter Form erhalten. Die nächsthöchste Bergin ficken:
Ihre Wärme überträgt sich auf meine Haut, ich kann die Tannen riechen und spüre ihren Schweiß. Ich denke an gar nichts. Der Begriff »Oberflächlichkeit« ist zweifelsohne unschön. Wenn ich mich lediglich mit einer Oberfläche begnüge, also ein womögliches Innenleben ignoriere, bin ich nur oberflächlich. Ich bin es aber wörtlich gesehen auch, wenn ich dafür Jahre voller Akribie investiere, die Oberfläche also alles andere als oberflächlich analysiere. Es kommt semantisch gesehen nicht auf die Blickrichtung an (Oberflächen-/Innenbetrachtung), sondern auf den Grad an Gedankenaufwendung bzw. Arbeit. Der Fokus ist egal. Da dieser Begriff, aufgrund schlechter Metaphorik, den Kern der Sache verfehlt und beispielhaft eine unpräzise Sprache aufzeigt (oder zumindest Sprachneulinge zum Missverständnis verführt), plädiere ich für eine Wortneuschöpfung:
·»kurzgedanklich«
·»Kurzgedanklichkeit«
Der zweite Satz dieses Textes ist falsch. Der erste Satz dieses Textes ist richtig. Ich weiß, dass dieser Stift 15,2 Gramm wiegt.
Ich weiß, dass ich gerade in Richtung Nordnordwest blicke.
Ich weiß, dass meine Position augenblicklich drei Häuserblocks entfernt von meiner nach Hause kommenden Freundin liegt.
Ich weiß, dass mein Hunger nicht viel stärker sein könnte, mein Kontostand scheint wieder auf null gesunken zu sein.
Ich weiß, dass die Küche weit strahlungsärmer ist, der Nachbar scheint antike Trafos oder ähnliches unter meinem Arbeitszimmer zu lagern.
Ich werde meine Freundin anrufen, sie steht schon eine Minute auf demselben Fleck.
Figurenkombination:
Anruf starten/beenden: gekreuzte Zeigefinger;
erstes Wahlzeichen: die Fingerkuppen beider Hände berühren sich gegenseitig;
zweites Wahlzeichen: die Zeigefinger haken sich gegenseitig ein;
drittes Wahlzeichen: Victory-Zeichen;
viertes Wahlzeichen: eine Faust, nur der kleine Finger ist ausgestreckt;
fünftes Wahlzeichen: Daumen und Ringfinger berühren sich in kurzer Abfolge zweimal;
sechstes Wahlzeichen: der Mittelfinger wird von der anderen Hand in Fausthaltung umschlossen;
siebtes Wahlzeichen: einmaliges Schnalzen per Mittelfinger und Daumen;
– sie scheint nicht zu antworten –
gekreuzte Zeigefinger. Various human races were not secluded long enough to create their own species. Species that would be fully independent with their own unique biological properties and unable to reproduce mixed descendants with other human species.
On the contrary, differences were reduced due to growing mobility (except for minimal variations).
The appearance of all humans:
Focusing on the colour of the skin, we can say that a slightly yellow hue has prevailed.
The eyes are, like the inuit, a bit slitted and brown.
The hair is thick and a little curly, compromising slickness and ripple. The dominance of black hair led to the extinction of blond and red hair.
Major differences in height became more uniform, most males are, due to better nutrition, 1.80metres tall and women can be up to 15cm shorter.
If no obesity, people are slim and wiry with embracable wrists (per forefinger and thumb). Women are slightly more dainty.
If one looks at the proportions, apart from a female waist and narrow shoulders, one can hardly determine whether it is a man or a woman.
Obvious different body odours can not be detected anymore.
The innumerable pitches of the voice have been retained, there are still variations. Ein wiederholtes Klingeln holt mich zurück. Ich wache auf. Das Meer ist schon ein beträchtliches Stück nähergekommen. Die Sonne wäre unerträglich gewesen, hätte ich nicht geschlafen. Meine Träumereien ziehen weiter.
Durch das Klingeln fühle ich mich genötigt, in die Hocke zu gehen. Nun, völlig im Jetzt angekommen, beschließe ich, dem lästigen Klingeln ein Ende zu bereiten. Ich nehme hastig eine Muschel aus dem feuchten Sand und drücke die nächstbeste Taste. Alles verstummt, ich kann mich wieder hinlegen. Szenarien wie Tribunal, Verurteilung und Bestrafung sind noch wirksam. Jeder will um jeden Preis richten. Hierzu schlage ich ein Spiel vor, das Spiel »ohne Namen«. Ein Jahr fehlt jede Autorenschaft, Protagonismus, Selbstinszenierung – alles passiert ohne Personenbezug. Man wird gezwungen sein, sich ohne Parteinahme auf Inhalte einzulassen, die ihrer Schale beraubt wurden. Vielleicht wird man auch nichts zu sagen haben, weil jeder das nächste Jahr abwartet, um seine Arbeiten zu präsentieren. Man merkt, dass auf Dauer Anonymität und Bescheidenheit furchtbar langweilig sein können. Gesellschaftliche Hürden hemmen einen noch rascheren Zuwachs der Bevölkerung und eine direkte Bedürfnisbefriedigung. Barrieren, die es verhindern, dass man einfach im urtümlichen Ausmaß dem Sexualtrieb folgt, sind u.a.:
Das Ideal der Monogamie, die beschlossene Kopplung von Sex und Liebe, das Vertrauen als Grundvoraussetzung, die Überbewertung von Sex (Mäßigung als Folge), Selektion, begründet durch Schönheitsideale, die starke Begrenzung/Altersbeschränkung von sexueller Darstellung.
1. Ist Enthaltsamkeit und die Kompensation des daraus resultierenden Drucks (in Form von Leistung) eine der Grundvoraussetzungen für die moderne Zivilisation?
Oder wäre 2. der Mensch generell aufnahmefähiger, wenn er seinen Sexualtrieb permanent, beim leisesten Auflodern und präventiv befriedigen würde?
1. Die Aufrechterhaltung eines Druckzustandes als explosiven Treibstoff zur Weiterentwicklung?
2. Ein rein kynisches Leben mit schlichter Bedürfnisbebefriedigung für eine unbeschwerte Weiterentwicklung? Felsbrocken zusammensammeln, sich eine Höhle bauen, im staubigen Dunst Fleisch grillen, oft husten, seine Frauen in Zaum halten, hin und her gehen oder mit seinen Artgenossen auf einem Haufen liegen, sich der Kleider entledigen, sein Gegenüber betasten, ausschließlich unartikuliert brüllen und schnaufen, an Steine und Frauenbeine denken, RoaoAARR. Warum immer nur Fehler nacheinander machen? Zwei Fehler gleichzeitig zu vollbringen macht mehr Sinn:
Man sitzt auf dem Lokus und will sich abwischen, hat es aber noch nicht gemacht. In der einen Hand hält man die Klorolle, in der anderen das portionierte Papier. Nun wirft man aus Versehen die Klorolle ins Klo.
(Erklärung für diejenigen, die niemals Fehler machen: Ein gewöhnlicher Verwirrter hätte sich mit der Klorolle abgeputzt – ein Fehler. Aber: den gewöhnlichen Fehler kaltblütig auszulassen, um zum Wegwerfen überzugehen, dies aber mit dem falschen Gegenstand – zwei Fehler.) Wir werden zu allmählich Frühmenschen, die nicht einmal mehr Aufzeichnungen auf Höhlenwänden hinterlassen.
Was ist letztendlich an digitaler Information erhaltenswert, welche E-Mails oder Internet-Inhalte müssten gesammelt werden? Die meisten Datenträger aus den siebziger oder achtziger Jahren sind gelöscht, unlesbar oder verschwunden. Alte Systeme müssen mit aufbewahrt werden, da nicht einmal die Kabelverbindungen noch kompatibel sind. Die neuen Datenträger sind noch weniger haltbar als die alten, wenn man wagt, weiter als 5 Jahre in die Zukunft zu denken. Reicht es aus, wenn man J.K. Rowling und Stephen Hawking um die Überlassung ihrer E-Mail-Korrespondenz bittet? Wenn Bücher und Zeitschriften aus dem 19. Jahrhundert an Auktionshäuser und Antiquariate verkauft werden, gibt es einen lauten Aufschrei. Was ist da los? Grenzen werden künstlich in Gedanken geschaffen, weil wir Unterscheidung als Orientierung brauchen. Qualitätsunterschiede sind Ansichtssache. Wenn man um sich schaut, findet man vor allem Übergänge (bis zur Grenze der Quanten). Man kann bei zwei benachbarten Sandkörnern nicht sagen, das eine gehört zum Land, das andere zum Meeresboden. Wieviele Körner ergeben einen Sandhaufen?
Bewegt man sich eine halbe Runde auf dem Möbiusband, so wird der »gegenüberliegende« Punkt zugleich zu einem zurückliegenden. Der aber wird, geht man weiter, zu einem zukünftigen.
Dass wir uns mit Grenzen und Gegensätzen behelfen, reicht bald nicht mehr aus. Die Simultaneität einer urbanen Welt erfordert mehr als nur statische Denkmuster. Einheit und Verbindungen stehen gegen Grenzen. Sie sind dominierende Merkmale unserer wahrgenommenen Welt, und so sollte das auch in unser Denken eingehen. Bald erfolgt keine Trennung mehr. Endlich ist der Flugdrang kompensiert. Man kann sich kilometerweit ständig in luftigen Höhen bewegen, ohne abheben zu müssen. Nicht die Häuser sind mehrstöckig, sondern die Städte. Der unendliche Platz in den Wolken wird ausgenutzt.
Oben befindet man sich inmitten gläserner Dächer. Fast alles hier ist gläsern und kann bei Überhitzung manuell gedimmt werden. Je weiter man abwärts geht, desto lichtärmer wird es. Das Licht in den mittleren Stockwerken simuliert Tageslicht, mithilfe homogen leuchtender Wände. Noch übersieht man sie fast und wähnt sich draußen an der Sonne. Doch je weiter man nach unten geht, desto mehr natürliches Sonnenlicht ist von den oberen Gebieten aufgebraucht worden. Am Erdboden angelangt, ist man einer nachtähnlichen Lichtsituation ausgesetzt, der vollständig künstlich entgegengewirkt werden muss. Hier wohnt man billig und auf engem Raum.
Die verschiedenen Plateaus sind über verschiedene Rohrsysteme miteinander verbunden. Das Transportmittel für den Normalbürger funktioniert pneumatisch. Der Sog, der sich in den Rohren durch Unterdruck aufbaut, wird genutzt, um Kapseln von einem Ort zum anderen zu befördern. Weitaus aufwändiger und exklusiver sind Gelkanäle. Hier wird, wenn man nach oben will, der senkrechte Kanal geflutet. Die Sonde wird von der Oberflächenspannung des steigenden Gels nach oben getragen. Möchte man wieder nach unten, wird die Flüssigkeit wieder abgelassen. Es handelt sich dabei um ein synthetisches Gel, welches bei Zimmertemperatur eine Dichte von 11,25 kg/l besitzt. Um die Dichte zu erhöhen und so mehr Gewicht tragen zu können, wird das Gel bis knapp vor den Gefrierpunkt abgekühlt. Diese Art der Fortbewegung ist um ein Mehrfaches langsamer als die pneumatischen Vehikel und deswegen nicht für den Massenverkehr konzipiert worden. Die Gelassenheit einer solchen Fahrt muss teuer bezahlt werden. An manchen Kurzstreckenverbindungen existiert Fußgängerverkehr, d.h. der Körper wird direkt und lediglich mithilfe einer Boje fortgetragen (warm anziehen).
Das gesamte unterirdische Versorgungsnetz von damals (Energie, Wasser, Güter, Abwasser) und der Verkehr haben sich so von ihrer einstigen horizontal angelegten Ausbreitung zu einem Netz entwickelt, das alle Richtungen nutzt. Diese Emanzipation war nicht nur wegen des allgemeinen Platzmangels notwendig, sie war auch aufgrund logischer Gesichtspunkte zwingend. Welchen Grund gibt es, die neugebaute Kirche nicht schräg über dem Altenheim in die Lücke zwischen zwei Wohnsiedlungen einzufügen?
Bei Regen wird aufgrund der speziellen Oberflächenstruktur der Außenwände und Hausdächer (Lotuseffekt) jeglicher Schmutz vollständig bis zum Erdboden getragen. Die Müllbeseitung führt zum selben Ergebnis – jeglicher Schmutz landet unten – nur werden hier die Abfälle noch von Menschenhand transportiert. Strikte Reglements sorgen für die sofortige Verarbeitung und Beseitigung des sich anstauenden Mülls durch Nanokulturen. Dies geschieht der Natur zuliebe und um eine Ausbreitung in die höhergelegenen Ebenen zu verhindern. Der aus der molekularen Zerlegung gewonnene Kohlenstoff und einige andere Elemente dienen, falls Nachfrage herrscht, zur Just-in-Time-Herstellung diverser Gebrauchsgüter. Der Rest wird in die Provinz ausgelagert.
Die Kontrolle über landwirtschaftliche Produkte obliegt den Plateaus, die an den Himmel grenzen. Um Nahrungsausfälle zu verhindern, die durch Unterproduktion hervorgerufen werden, bleibt der Minderheit der mittleren Ebenen und vor allem den Bodenbewohnern als Ausgleich die synthetische Fleischherstellung. Der Fleischkonsum eines Einzelnen ist ein verlässlicher Gradmesser für seinen sozialen Status.
Da der meiste Teil des Regenwassers, wie gesagt, zur Reinigung aufgewendet werden muss, sind die Bewohner der oberen Ebenen auf eine stabile Grundwasserversorgung angewiesen. Ansonsten können sie nicht ihre Landwirtschaft aufrecht erhalten und sind gezwungen, Lebensmittel aus den riesigen Fleischgewinnungsanlagen am Boden zu beziehen. Dieser Schwachpunkt wird hin und wieder bei Unruhen der Unterprivilegierten ausgenutzt: Die Grundwasserleitungen werden gekappt. »WuUuuHHH« – ein Jubelton, erzeugt von Menschenmassen bei Konzerten etc. und gleichzeitig auch ein Symbol für eine Entwicklung der menschlichen Betrachtungsgabe. Schreit jeder Einzelne den gleichen Laut oder ist es das Durchschnittsgeräusch von unzähligen Individualgeräuschen?
Ein Adaptionsprozess, der in Millisekunden vollendet ist: Der Erste schreit noch weitgehend individuell, sobald mehrere Nachahmer das gleiche tun, entsteht ein deutlicher Durchschnittston. Zu diesem Zeitpunkt schreien noch wenige, trotzdem gibt es schon eine Entwicklung zur Mitte – der Einzelne passt sein persönliches Schreien der Gruppe an. Diejenigen, die erst jetzt hinzukommen, besitzen mit ihrem Schrei schon fast keinerlei kreative Individualität mehr. Je mehr Menschen schreien, desto durchschnittlicher und identischer wird das Geräusch zu anderen Jubelereignissen.
Betrachtet man jetzt nicht nur ein einzelnes Ereignis, sondern mehrere darauffolgende, so erkennt man auch hier einen Hang zur Mitte. Der vorher erwähnte erste Jubler war nicht wirklich kreativ, er kannte die Verhaltensweise aus dem Gedächtnis und machte lediglich in dieser Situation den Anfang – ein Anfang, der geprägt und bedingt durch seine Erfahrung von vorigen Jubelsituationen war.
Mit fortschreitender Zeit werden neue Dinge mittiger und durchschnittlicher, da sie durch immer mehr werdende Einflüsse entstehen. Neues zu erfinden wird nicht mehr funktionieren, da das an so vielen verschiedenen Orten gleichzeitig geschehen wird, was in Folge den Menschen an die Grenzen seiner Auffassungsgabe bringt. Immer größere Dinge werden untrennbar. Alles gleicht sich, man sieht nur einen Brei. Der Designer lässt jährlich ein Neujahrsplakat drucken, auf dem sämtliche Mitarbeiter dankend erwähnt sind. Völlig demokratisch steht hier in alphabetischer Reihenfolge der Partner neben dem Praktikanten. Vor allem eine Praktikantin kann sich besonders freuen, auf der Liste zu stehen – war sie doch nur 3 Monate in der Agentur. Sie sieht das als edle Geste und hängt sich, zuhause zurückgekehrt, das Plakat jahrelang in ihr Zimmer. Ihr Gestaltungsstil wird absolut freiwillig die Handschrift ihres Idols weitertragen und zu dessen Expansion beitragen.
Die Handlung des Designers, die Praktikantin augenscheinlich mit ins Boot zu nehmen, ist klug. Er hat erkannt:
Wäre er nur aufgrund seines Talentes ein Vorbild, hätte das nicht dieselbe Wirkung. Der Designer ruft aktiv und bewusst, durch die Öffnung seiner Arme, Sympathie und Akzeptanz hervor – die Grundbasis, um eine treue und völlig ergebene Jüngerschaft zu gründen.
Die Praktikantin wird keineswegs autoritär geprägt, sondern erklärt sich aufgrund der emotionalen Wärme aus eigenen Stücken dazu bereit, dem Vater nachzueifern. Das Branding von fröhlichem Vieh.Sie wurde nachhaltig und in besonderem Maße stimuliert.
Doch nicht nur sie ist glücklich: Mithilfe von unzähligen Praktikanten und anderen Menschen, die eine Neigung zur Ehrfurcht besitzen, entstand das jetzige Ideenimperium des Designers. Ein altmodischer Staat, aufrechterhalten mit modernen Mitteln. Darf ich dich vergewaltigen? Ein vom Sonnenlicht abgeschiedener Raum mit diffusem, weichem Licht: Es wird ein der Jahreszeit exakt gleichendes Tageslicht simuliert. Es gibt keine Lampen oder ähnliche Lichtquellen. Für die Helligkeit sorgen die Wände und Decken. Der Boden leuchtet nur schwach, die Wände lassen nahtlos das Licht hin zur Decke stärker werden. Die Decke leuchtet am stärksten. Es ist, als ob das Sonnenlicht durch die Wände hindurchscheinen könnte. Sie, die Wände, verschmelzen mit der Luft. Nur durch zwei Indizien weiß man, dass man nicht draußen ist – es gibt keine Schatten und der Blick nach oben verursacht keine Augenschmerzen. Man muss zwischen den Räumen nicht nur durch ihre unterschiedlichen Formen, sondern durch ihr Lichtverhalten Kontraste schaffen. Gemeint sind nicht nur verschiedenartige Akzentuierungen einzelner Raumbereiche oder der Wechsel von hartem und weichem Licht, sondern die Lichtrichtung. Eine zurückhaltende diffuse Beleuchtung, bei der man den Standort der Lichtquelle vergisst und sich keinerlei Schatten bilden, ist also ausgeschlossen. Der Mensch erwartet natürlicherweise eine Sonne. Man kann daher, um der Natur ein wenig nahezukommen (trotz Kunstlicht), eine deutlich ausmachbare Lichtquelle einrichten, die lediglich durch die Variation der Richtung vom Sonnenerlebnis abweicht: im extremsten Fall ein gerichtetes Licht von unten.
Die Welt steht in dieser Raumsituation auf dem Kopf, die Schwerkraft wird geleugnet, es entsteht Spannung und man meint, alles sei verkehrt. Dieses Licht erfordert eine krasse Neuorientierung des gewohnheitsmäßig waagrechten (manchmal gesenkten) Blickes, denn der folgte bis jetzt einem Grundsatz: der Feind kommt in der Regel nicht von oben.
Der Blick wird gegen seine evolutiven Vorlieben aufgerichtet und macht so die Zimmerdecke zu einer visuellen Bühne. Manche Räume erfordern thematisch solch eine Umkehrung und Spannung, deshalb ist es notwendig, diese Beleuchtung kontextuell in Erwägung zu ziehen.
P.S.: Vorerst ist in dieser Atmosphäre noch keine Entspannung oder Ruhe möglich.
Er ist ausschließlich für Sex konzipiert worden. Es kommt vor, dass der Android an einer beliebigen Tür klingelt und nicht locker lässt, bis man ihm Einlass gewährt.
Alle Androiden haben zufällige Macken und Vorzüge, denn schließlich wäre es sehr kurzgedanklich, jeden anhand des tagesaktuellen Schönheitsideals zu produzieren. Erstens wären sie alle gleich und daher leicht von echten Menschen zu unterscheiden und zweitens würde man durch diese totale Inflation die Daseinsberechtigung von Schönheitsidealen untergraben. Also ist man zur Übereinkunft gekommen, sowohl äußere wie auch geistige Maleure im Produktionsprozess zu billigen, sie bei gegebenen Situationen sogar zu provozieren. Der Android, der nicht bestellt werden kann (sonst wäre statistisch der sexuelle Hunger bei Weitem gestillter) und herrenlos ist, kann demnach genauso krumme Zehen oder den Hang zu schlechtem Atem besitzen, zickig oder auch albern wie der echte Partner sein. Letzendlich weiß er aber, dass er nur zur Paarung vorbeigekommen ist und selbst wenn es zum Streit kommt oder der Beglückte kein Verlangen verspürt, muss es zum finalen Sex kommen. Erst dann kann der Android gehen. Es besteht lediglich die Möglichkeit bei der (sehr seltenen) Ankunft eines zweiten Artgenossen, beide nach Hause zu schicken, um eine Ansammlung von Mitbewohnern zu verhindern. Den Androiden ist in einem solchen Fall klar – es handelt sich hier eindeutig um Impotenz.
Diese staatlich eingesetzte Medikation in Form von Androidenarmeen, die in den Städten anschaffen gehen, dient dazu, sich die Gunst der Bevölkerung zu sichern. Der Glückspilz, der an seiner Haustür einen Androiden findet, weiß diese staatliche Geste durchaus zu würdigen und ist zur Revanche willig. Um eine Verstopfung der Straßen zu vermeiden, ist die Stückzahl festgelegt (primäres Wahlthema).
Nach getaner Arbeit wartet der Android auf eine Gelegenheit, die zur Flucht günstig ist und begibt sich zurück an seinen Produktionsstandort, wo er wieder eingestampft wird. Auf die Idee, sich etliche Androiden im Keller zu halten, sollte man gar nicht erst kommen – jeder von ihnen kann ein ortbares SOS-Signal aussenden und verfügt zu seinem Selbstschutz über diverse Waffen. Warum sich nicht einfach öfters helfen lassen, wenn es niemandem schadet? Beispielsweise beim Bezahlen an der Kasse sehr stark zittern und einen Blick anwenden, der eine Mischung aus Hilflosigkeit und vermindertes Sehvermögen andeutet. Das hat zur Folge, dass die Kassiererin ohne Umschweife dazu bereit ist, sich am Kleingeldfach des Geldbeutels zu bedienen. Diese Liebenswürdigkeit wird normalerweise nur Alkoholikern und alten Menschen zuteil und funktioniert auch nur reibungslos bei gekonnt fingierter Versehrtheit. Ein angenehmeres Miteinander. Das Verlieren eines Katzenfells ist deutlich unangenehmer als man annehmen könnte. Es juckt ständig, man kann es sich aufgrund des Körperbaus nicht selber abziehen, es treten unvorhersehbare Schüttelattacken auf, vor allem aber quälen überflüssige Streicheleinheiten, die fast jedes Mal einen elektrischen Schlag hervorrufen. Nach dieser Krisenzeit gibt es zwei Felle – ein eng anliegendes Sommerfell und ein Winterfell, das in der Wohnung verstreut ist.
Ab wann ist es nur noch ein Fell? Morgen gewinnst du oder auch nicht. Das sagt nichts über die Realität aus und liefert keinen Erkenntnisgewinn. Der Satz kann nicht widerlegt werden. Andersherum müssen Sätze, die etwas über Realitäten sagen, widerlegbar sein. Das einzige Kriterium für die Wissenschaftlichkeit eines Satzes ist dessen Falsifizierbarkeit. Er kann niemals bewiesen werden. Fortschritt passiert, wenn Theorien durch Experimente falsifiziert werden. In einem Selektionsprozess setzen sich diejenigen Theorien durch, die „wahrheitsnäher“ sind. Sicheres Wissen kann dabei nicht erreicht werden; das Wissen ist vorläufig.
Man kann nicht wissen, ob eine Theorie wahr ist, aber sehr wohl, dass sie falsch ist. Durch dieses Aussieben kommt man der Wahrheit immer näher, ohne sie jemals zu erreichen. Zwar ist die kreative Aufstellung einer Theorie und Beweisfindung notwendig, das Wissen nimmt jedoch mit der Falsifizierung um ein weiteres zu.
So sollte man öffentlich abgeschlossene Arbeiten immer als Vorabversionen einstufen, um nach dem Etappensieg immer weiterzufahren. Wertlose Informationen, wenn man (vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten) einem Offizier der Kreml-Leibgarde beim einstündigen Strammstehen zuhört, wie er abwechselnd an seinen Fußgeruch und das Münzgeld denkt, das er an der Pforte geklaut hat. Er weiß selbst, dass es schleunigst aufgebraucht werden muss.
Gegen die schleichend über uns hereingebrochene Legitimation von Massenvoyeurismus müssen Tugenden wie das Anhäufen von Geheimnissen und das Ideal der Falschaussage errichtet werden. Nachdem alles von außen Sichtbare öffentlich und jederzeit zugänglich ist, muss die Demokratie gegen die Entweihung der letzten Freizone vorgehen: die Aufzeichnung der Anschauung.
Entwürdigend – die Vorstellung, beim unschuldigen Denken begleitet zu werden. Es bringt zum Schutze des Heimatlandes mehr, wenn ich das Archiv nicht mit Informationsfluten verstopfe, die z.B. folgende Dringlichkeit besitzen: Die Frau gegenüber stellt sich beim Sex vor, ein haariger Mann zu sein. Man kann Punkte denken. Man kann etwas zeichnen und sich vorstellen, es sei ein Punkt. Man kann etwas fotografieren und es steht für Jahre still. Man kann etwas einfrieren, solange es Elektrizität gibt. Man kann schreien und die Frequenz in einer Zeitspanne (>0) messen.
Um die Frequenz exakt zu ermitteln, muss man das Signal über eine gewisse Zeitspanne beobachten und dadurch verliert man Zeitpräzision. Eine Schwingung bleibt nicht gleich, nur ihr Durchschnitt macht sich bemerkbar. Ein Impuls, innerhalb der Zeitspanne 0 betrachtet, ist so unscharf, dass er nicht zu registrieren ist. Die Frage ist letztendlich nicht, ob es Zeitpunkte gibt oder nicht, sondern ob es sinnvoll ist, sich welche vorzustellen. Wenn man ein wahrer Pedant ist, lassen sich Wirkungen nie erschöpfend erklären, da nie alle Anfangsbedingungen und Ursachen überschaubar sind. Banale Ursachen mit mehrfach indirekten Großwirkungen sind extrem unwahrscheinlich, wie eine zerbrochene Kaffeetasse, die sich wieder zusammensetzt.
Ein fallender Kugelschreiber kann indirekt ein Auto in weiter Entfernung zum Ausbrechen bringen, zwei mal herzhaftes Gähnen in einem Jahr bei einem Vorstellungsgespräch in die engere Auswahl verhelfen, genauso wie ein abtauender Kühlschrank das Tiefgekühlte verdirbt. Man kennt sich nur flüchtig, würde aber durchaus miteinander schlafen. Man sieht sich durch die Fenster zweier gegenüber haltender U-Bahnen.
Jeder benimmt sich eine Zeit lang so, als ob er den anderen nicht sähe. Wäre ja erstens eine lange Zeit, die man nonverbal, nur mit Gesichtsbewegungen meistern müsste (etwa 2min). Zweitens ist es viel wertvoller, den Unerkannten zu spielen und sich um eine vorteilhafte Figur/Haltung zu bemühen. Etwas wie die Denkerpose wäre denkbar.
Der andere soll staunen, wie souverän man seinen Alltag durchlebt, während man sich unbeobachtet wähnt. Erst wenn die Bahn weiterfährt, tut man so, als hätte man sich gerade gegenseitig entdeckt und schenkt dem anderen einen warmen Gruß. Diese Kür ist gleichzeitig von beiden zu vollziehen.
P.S.: Es bleibt die Frage, wie man sich so stark im Fokus haben konnte, ohne Augenkontakt zu haben. Wie konnte man so fehlerfrei ahnen, wann der andere nicht herüberblickt, um selber zu schauen? Methodik: Man bewahrt sich alles bis knapp vor den Schluss auf. Jetzt genießt man das schöne Leben und erfreut sich daran, klare Ziele zu haben. Das Nichtstun macht absolut Sinn, in einer Zeit in der genau das ein höchstes Luxusgut ist. Hat man darüberhinaus noch das Glück, mehrere Personen beobachten zu können, die sich genau entgegengesetzt verhalten – sprich: konstant arbeiten mit der Mentalität eines Angestellten - wird das Lungern umso wohltuender, sie sind quasi Masturbationsvorlage.
Während man nichts tut, bereitet man sich vor. Erst wenn die Deadline einen zu zerbrechen droht, lenkt man ein. Der gesamte aufgestaute Druck wird in Arbeitswut (Atomenergie mit erigiertem Penis) umgewandelt.
Die Vorbereitungen kommen voll zur Geltung. Man wird immer schneller, droht zu verglühen, eine ständige anhaltende Explosion ohne Abnahme. In letzter Sekunde gelingt alles. Das Phänomen ist beliebig wiederholbar. Wenn man den Zug verpasst hat, war man nicht zu spät da, sondern hat falsch auf die Uhr geschaut. 1 – kurze Pause – 2 – kurze Pause – 3 – kurze Pause – Stop.
Deine Lesegeschwindigkeit lag in meiner Hand, ich konnte für einen Moment in vollem Maße deinen Gedankengang lenken. Du kannst nicht sagen, dass obiges Zählen falsch ist. Von diesem primitiven Beispiel ausgehend, stimmst du mir zu, in deiner jetzigen Situation potentiell abhängig zu sein.
Nimmt man eine These auf, so folgt nach der Informationsaufnahme ein innerer Prozess der Abwägung. Handelt es sich jedoch um schlichte Beschreibungen, die sich vollständig der Entscheidbarkeit entziehen, muss der Empfänger in sklavischem Konsum verharren. Er kann lediglich passiv zurückschlagen, indem er sich entzieht. Gegen Entzug hilft verlässlich eine zunehmende Beschallung.
Neutrale Informationsbeschallung führt zur Beschäftigung, genauso wie es eine Diskussionsanregung tun würde. Doch praktischerweise ist hier der Empfänger, der nur Konsument ist, gehorsam. Eine verblüffende Situation tritt ein, er ordnet sich wie ein Schaf aus völlig freien Stücken unter und hört zu. So einfach hat man es nirgends. Der Sender hat erkannt, dass es durch die Wahl der Mitteilungsart (diskutabel‹–›indiskutabel) in seiner Macht steht, den Empfänger zu einem ebenbürtigen Gegenüber zu machen oder auch nicht. Eine demokratische Kommunikationsform steht einer diktierenden gegenüber. Demnach leben wir zunehmend im Totalitarismus. Die Diskussionskultur ist out, Worte wie »Streitlust« oder »tendenziös« haben abwertende Bedeutungen. Wir stehen uns alle gegenüber. Auf der einen Seite einige Achsenmächte, auf der anderen die Alliierten. Niemand bekommt den Anlass mit, aber plötzlich geht es los. Ich verliere den Durchblick, sehe einige Gesichter in Sekundenbruchteilen. Folgendes Ereignis sticht etwas heraus: Eine Gleichgesinnte wird mit vollem Schwung von einem Holzblock ins Gesicht getroffen. Das motiviert mich und die anderen, sich mehr einzubringen. Es gibt nichts Schöneres als einen gelungenen Gegenangriff. Ich bin bis zum Anschlag aufgeregt, würde ich jetzt einen Satz sprechen müssen, wären es schlicht Wortfetzen. Es steigt ein unglaubliches Gefühl in mir hoch, der einzige Moment, in dem ich eine Aggression vollständig entladen kann, ist jetzt. Ein Explosionsfeuer, gemischt aus Angst und Euphorie. Jegliche Haltungsbemühungen sind bei jedem schlagartig verschwunden, aus den Gesichtern ist jeder Zweifel gewichen, die Bewegungen sind pure Reflexe, das Adrenalin macht jeden zu Titanen. Ich kann es nicht fassen.
Die altmodischeren Menschen drumherum schauen uns mit verachtenden Blicken angewidert zu. Obwohl sie zweifellos ebenso von der rätselhaften Stimmung gebannt sind, halten sie uns für primitive Affen. Was sie nicht verstehen: Durch bloßes Zuschauen werden sie niemals Teil eines solch intensiven Naturerlebnisses.
Wenn man Differenzen mit Höflichkeit, Geduld, Lügen und Verstand handhaben kannnnn, zieht ein moderner Zeitgenosse inzwischen die uralte Verhaltensregel des Entscheidungskampfes vor. Herrrrrrlich, eine waschechte Wikingerkeilerei ohne Geschlechtertrennung. Erkenntnisgewinnung wird ausschließlich zerebral untersucht. Die Hand findet als produzierendes Werkzeug wie auch bei der taktilen Wahrnehmung kaum öffentliche Beachtung. Die Umwelt ist verschlossen gegenüber dem ausgiebigen Anfassen von Dingen. Das äußert sich nicht in öffentlicher Verteufelung. Es würde schlicht sonderbar erscheinen, massiv die Hände in forschendem Sinne einzusetzen. Alle haben ihre Hände angeleint und nutzen sie kaum aus. Wenn ich im öffentlichen Raum das Gesicht einer Fremden tastend begutachte, wird das als deutlicher Übergriff gedeutet. Befühle ich im Zug länger als fünf Sekunden eine sonderbare Sitzgarnitur, gelte ich als geistig behindert. Wer zieht da die Grenzen? Lediglich in der Kunst wird manchmal ein Eigenleben der Hand akzeptiert. Dabei ist es überall effektiv, parallel mit der Hand zu denken. Die Hand ist nicht nur Werkzeug, sie trägt maßgeblich zur Erkenntnisgewinnung bei, wenn man ihr auch Auslauf gönnt.
Würden die Körperabschnitte das gleiche Größenverhältnis wie ihre Repräsentation im Cortex aufweisen, hätten wir Ein-Meter-Hände. Das Buch selbst.